Archiv für Juni 2009

Fahrradunfall

Fahrradfahren in Mainz ist gefährlich.
Dieser Erfahrung, die ich schon einige Mal gemacht habe, wurde heute wieder ein Argument hinzugefügt, als ich zur Uni fahren wollte. Zum ersten Mal habe ich den neuen Weg ausprobiert und bin auf selbigem auf dem Bürgersteig gefahren, der auch für Fahrradfahrer freigegeben ist. Soweit so gut, wenn es nicht aus Ausfahrten gäbe, die nicht einsehbar sind. Aus eben solcher kam eine ältere Dame im Kleinwagen und wir haben uns in der Mitte getroffen. Elegant habe ich mich über die Motorhaube abgerollt und mit mir und mit dem Pedal meines Rades ein paar Kratzer und Beulen hinterlassen. An mir selbst tut im Moment nur die Schulter weh, es scheint aber nichts ernstes zu sein.
Glücklicherweise lief in eben jenem Moment ein Polizist vorbei, der anbat, die Kollegen zu rufen (er selbst hatte wohl zu viele Sterne dafür auf der Schulter:-) ). Die kamen dann auch und haben das Ganze aufgenommen. Dadurch dauerte das ganze zwar fast eine Stunde, aber immerhin herrscht so ein wenig Sicherheit über die Situation:
Entweder ich bin schuld, das wäre dann der Fall, wenn sie schon stand, als ich in ihr Auto fuhr, oder sie rollte noch beim Aufprall, dann wäre es ihre Schuld. Hierbei geht es „nur“ um 35 € Bußgeld. Wichtiger ist aber wahrscheinlich, dass die Sache für die Versicherung klar ist, denn die Schäden an ihrem Auto sind sicher nicht billig.
So werde ich jetzt zum ersten Mal erleben, wie Haftpflicht funktioniert. Einerseits will man sowas natürlich nie machen müssen, andererseits ist es eine wichtige Erfahrung, solche Dinge zu bewerkstelligen.

Nähe

Heute ist es mir zum ersten Mal bewusst geworden, wie nah, der bevorstehende Aufenthalt ist.
Bei meiner Dauer-Orgel-Vertretung in Darmstadt Eberstadt habe ich heute schon die letzten Termine vor Luzern ausgemacht und auch bei der Bahnhofsmission wird es langsam eng werden. Zumal ich da noch kaum jemanden Bescheid gegeben habe.
Im Prinzip steht mir noch der ganze Juli und der ganze August bevor. Dahinein fallen aber noch Semester und zwei Wochen Urlaub. Von Hausarbeiten etc noch ganz zu schweigen.
Beruhigendermaßen kann ich zu allen sagen, die mich jetzt schon vermissen: In einem Jahr bin ich schon wieder da. Aber ich hoffe, man sieht sich vorher.

3D-Kino

Noch findet es sich nicht direkt auf der Homepage, aber Ice Age 3 soll der erste Film sein, den das Mainzer Cinestar in 3D zeigt (Quelle: Heise.de). Der Film an sich interessiert mich nicht, aber ich denke die Technik ist bestimmt faszinierend. Ich werde versuchen meine Freundin zu überreden. Wahrscheinlich klappts ;-)

Bildungsschreibmaschine

Wen interessiert heutzutage noch eine Schreibmaschine? Im Moment zwei Parteien, den Landtag, der mit einer solchen eine Ausstellung zum 17. Juni in der DDR illustrieren wollte und eine unbekannte Erpressergruppe. Die hat nämlich im Rahmen des Bildungsstreiks die selbe entwendet. Man mag sich schon fragen, was das eine mit dem anderen zu tun hat.
Gemäß den Veranstaltern wenig, denn die leugnen eine solche Tat im Moment noch und schreiben lieber über die Polizei, die sie aggressiv am Eindringen im Landtag gehindert hat. Ich dachte Aggression komme von dem, der sich angreifend verhält. Hier sind aber wohl die Verteidiger, die ja aus gutem Grund nicht schon wieder einen Landtag voller Studenten haben wollten, gemeint. Das ist schon seltsam.
Viel seltsamer ist es, was nun passiert: Es taucht ein Erpresserbrief auf. Die vielfachen Bezüge auf RAF und Schleyer Entführung sind kaum zu übersehen. Erpresst wird mit der gestohlenen Schreibmaschine. Da fragt sich einer doch, wie sich Geschmacklosigkeit und Dummheit so gut paaren können.
Früher oder später müssen auch offizielle Bildungsstreiker zugeben, dass sich in ihren Reihen linke und linksextremistische Gruppen befinden.
Immerhin machen sie ihr Ziel am eigenen Beispiel deutlich. Mehr Bildung! Sonst werden wir wohl alle einmal so werden…

Bildungsstreik – eine kleine Bemerkung

Soeben sitze ich in der Uni und habe einen Programmheft der „Offenen Uni“ vor mir. Der Titel macht neugierig, vielleicht will hier ja jemand ein Studium Generale für jedermann machen. Und: Ja das will jemand, nämlich der ASTA der Uni Mainz.
Allerdings ist dieses here Anliegen ein wenig überlagert von politischer Motivation. Durch Samba, Theater und Vorträge aus dem akademischen Mittelbau soll hier die Uni die Bildungslandschaft umgestalten und die EU aus ihren Entscheidungen zwingen. Uni Bolognese mag wohl keiner mehr. Das scheint vor allem am Hackfleisch zu liegen, denn eine weitere wichtige organisatiorische Grundentscheidung für die „Offene Uni“ (die übrigens in der Kampffarbe Gelb erscheint – aber mit Liberalismus hat das wohl wenig zu tun), ist das Angebot von veganen Speisen auf den Campuswiesen. Klar, da braucht keiner sein Essen mitzubringen und das vegane Essen wird auch nicht von der bösen EU gefördert. Ich kenne auch keinen italienischen Veganer.
Damit es keiner falsch versteht: Veganer sind keine schlechten Menschen, sondern sie teilen eine gemeinsame Idee, nämlich die Welt besser zu machen. Wer von uns tut das nicht gerne. Das eigentlich Spannende an diesem kleinen Programmheft ist die Zusammenstellung. Hier treffen sich Kritiker von Kolonialismus, Globalisierung und freilich auch vom Bildungssystem. Aber auch Verfechter von Esperanto, Menschenrechten und Bioernährung. Noch einmal: Für sich genommen kein Problem und jedermanns gutes Recht.
Doch wage ich es, einmal die Frage zu stellen: Ist das effektiv? Allein die Zusammenfassung des Bundesweiten Bildungsstreiks 2009 in den Nachrichten umfasste eine reiche Liste an Kritikpunkten, die eigentlich wohl nur in einer Revolution zu klären wären. Diese Masse zersplittert sich jetzt alleine an der Universität Mainz in die oben genannten Dinge. Die Idee dahinter war, Bildung selbst zu organisieren. In freier Art und Weise, eben nicht so, wie die Herren und Damen Bildungsminister und Bildungsministerinnen es wollen. Leider schwenkt aber jede dieser Veranstaltungen gleich eine kleine moralische Keule von Links über die Mitte nach Rechts.
Was bleibt da für den Studenten, der sich nicht normalerweise zum Sit-In trifft, der nicht gerne auf Straßendemos läuft, der gerne Fleisch isst und der auch mal die Vorzüge internationler Beziehungen schätzen will? Oder eine fundamentale Frage: Funktioniert dieser Bildungsstreik überhaupt? An welchem Hebel setzt er an? Gibt es einen Mechanismus, der jetzt in Gang kommt? Bevor man auf die mangelnde Unterstützung rekurriert, was im Moment dank eines starken Selbstbewusstseins und einer (wer denkt da an den SPD-Parteitag) inneren Moralisierung noch dauern wird, sollte man sich diese Fragen gefallen lassen und vor allem beantworten können.
Hier verpufft eine Idee in der schieren Masse – wer sich konzentriert, käme hier vielleicht weiter.
Ein Zeichen: Bei der Vollversammlung zum Beschluss des Streiks waren 250 Studenten (0,7%) anwesend. Diese Zahl unterbietet sogar die Schätzung der schärfsten Kritiker.
Was ich sagen will: Der Streik sollte ein Thema fokussieren und das Angebot weniger tendentiös sein.

Die Frage, ob „Streik“ überhaupt die Sache trifft und die Aktion nicht durch ihren eigenen Namen behindert wird, bedarf auch einer Klärung. Wer möchte?