Archiv für August 2009

Frauen und Männer – eine Analyse

Dass es Geschlechterkonflikte gibt, die auf Unterschieden im Welt- und Selbstbild beruhen, brauche ich niemandem zu erzählen. Interessant ist es jedoch, diese im echten Leben zu beobachten und herauszufinden, wie die Mechanismen funktionieren, die so schnell die Stimmung drehen können, dass man selbst es fast gar nicht mitbekommt. (Vielleicht auch: nur der Mann selbst).
Folgende Situation möchte ich berichten: Die WG meiner Freundin und ich, also zwei Frauen und meine Wenigkeit, machten uns daran PET-Pfandflaschen ihrer Bestimmung im malmenden Automaten zuzuführen. Es kam die Frage auf, ob die Fülle an verschiedenen Flaschentypen an einem Automaten des Discounters Lidl überhaupt angenommen wird. Voller Selbstbewusstsein stellte ich die Behauptung auf, dass dem sicher so sei, denn schließlich trage jede der Flaschen das entscheidende Pfandzeichen und das werde überall akzeptiert. Dagegen setzte die Mitbewohnerin meiner Freundin aber, dass das zum Beispiel bei Aldi nicht so sei und dort eben nur eigene Flaschen angenommen werden würden. Nun stand Aussage gegen Aussage und meine Freundin (Frauensolidarität).
Mein Selbstbewusstsein wurde ein wenig erschüttert, denn tatsächlich halte ich von besagter Mitbewohnerin viel, zumal ihre Aussage sich darauf stützen konnte, dass die eigene Mutter schon bei jenem Supermarkt gearbeitet hat. Allerdings wollte ich mir meinen Glauben in die Verlässlichkeit der deutschen Pfandbestimmungen auch nicht nehmen lassen. So stand ich vor dem schwierigen Entschluss, ob ich auf meiner Meinung beharren sollte oder der Erfahrung einer anderen trauen.
Die Lösung brachte (nachdem alle Flaschen bei Lidl einwandfrei akzeptiert wurden) ein Gespräch mit der schon als Expertin ausgezeichneten Mutter, die mir Recht gab (!), aber durchaus zugab, dass die Automaten zum Teil schlecht oder falsch eingestellt seien und daher die beiden Damen auch im Recht seien (Frauensolidarität).
Bei näherem Betrachten fällt auf, dass ich mit einer allgemeinen Regel argumentierte, die weibliche Front aber mit konkreten Erfahrungen. Entweder waren die Erfahrungen also regelbestätigende Ausnahmen oder aber meine Regel war falsch. Aus sich heraus war der Konflikt nicht zu lösen, denn da wir auf unterschiedlichen Ebenen argumentierten, konnten wir uns nie treffen. Daher war auch die mütterliche Dea ex machina nötig. Für die Männer lässt sich also schon festhalten: Immer Autoritäten außerhalb des eigenen Dunstkreises heranziehen. Alternativ hätte auch ein Experiment vor Ort geholfen.
Für die Frauen lässt sich sagen: Die Männer öfter einkaufen schicken. Oder aber fein zwischen Allgemeinem und Speziellem (Beispielen aus der eigenen Erfahrung) trennen und den Mann an der Nase herumführen, wenn man das vor ihm verstanden hat.
Die schlimmste Waffe auf femininer Seite ist und bleibt aber die Solidarität, die alle Stürme von Ratio und Argumentation überstehen wird. Der Mann, ein geborener Einzelkämpfer, tritt dann wohl besser den geordneten Rückzug an. In dem Bewusstsein es eigentlich doch besser zu wissen.

Umzug etc.

Ich habe inzwischen einen Einzugstermin in Luzern, nämlich den 4. September.
Ab dann lautet meine neue Adresse:
Alpenquai 42
6005 Luzern
Schweiz
Die Uni beginnt mit den Einführungstagen am 9. September, wobei ich die nur teilweise besuchen werden, sie richten sich nämlich vor allem an Erstsemester. Die Vorlesungszeit beginnt mit dem 14. September, dann bin ich bis kurz vor Weihnachten am Studieren.

Urlaub

Nach zwei Wochen bin ich wieder in Deutschland und will es mir nicht nehmen lassen, ein wenig vom Erlebten zu erzählen:
Seit längerer Zeit war ich wieder einmal mit meiner Familie im Urlaub, denn das Angebot war äußerst verlockend und wohl aus einem Studentenbudget heraus nicht zu finanzieren. Wir fuhren 2 Wochen nach Südfrankreich in die Gegend von Carcassonne, wo wir zuerst eine Woche mit dem Hausboot über den Canal du Midi fuhren und die zweite Woche in einem Ferienhaus verbrachten. Und das Beste war, ich durfte meine Freundin, Kerstin, mitnehmen.
Wir beide sind, um das Auto nicht zu überfüllen, mit der irischen Billigfluglinie unserer Wahl vorgeflogen. Schon das Ankommen in Carcassone Airport war ein kleines Erlebnis, im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Größe dieses Flughafens macht dem Dieburger Bahnhof keine Konkurrenz. Beim Rückflug mussten die Passagiere alle frühzeitig durch die Sicherheitskontrolle, weil in der Schalterhalle nicht genug Platz für alle war.
Vom Flughafen aus sind wir in die Stadt zu ersten Besichtigungen gegangen. Neben einer schönen Altstadt war das absolute Highlight die Burg von Carcassone. Einige werden das gleichnamige Spiel kennen, das duch dieses mächtigen Bauwerk inspiriert ist. Aber nicht nur ein Spiel, sondern, wie ich meine, sämtliche Spielzeugburgen aus unserer Kindheit inklusive aller Disney-Filme haben sich an diese Burg angelehnt. Sie zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie fast vollständig erhalten und so groß ist, dass in ihr eine komplette Altstadt untergebracht ist. Inklusive einem zweiten Schloss und einer Kathedrale.
Nachdem auch meine autofahrende Familie diesen Ort erreicht hatte begann unsere Woche auf dem Hausboot. Obwohl wir eine durchaus geräumige Variante gewählt hatten, ging es im Ganzen doch recht eng zu. Man stelle sich einen Wohnwagen auf dem Wasser vor.
Unsere Tour auf dem Canal du Midi führte und an diversen typischen Städtchen und Dörfern vorbei. Besonders schön war die große Menge an Sonnenblumenfeldern auf dem Weg. Das Boot durfte jeder einmal lenken, denn in Frankreich bedarf es für diese Varianten keinen Führerschein. Und wie um die anderen zu warnen prangte an unserem Gefährt ein großes gelbes Schild „Sans permis“. Trotzdem kam es nicht zu Katastrophen. Viel Aufmerksamkeit zogen wir und alle anderen Boote jeweils in den Schleusen in den Städten auf uns, wo es eine kleine Touristenattraktion war, zu beobachten wie die Hobbykapitäne aller Nationen gegen Wände fuhren.
Nach 3,5 Tagen kehrten wir mit Cassoulet aus Castelnaudary im Magen um und fuhren die gleiche Strecke zurück. Derweil brannte die Sonne von Tag zu Tag heißer und wir hatten bestimmt keinen Abend unter 30°C. Insofern war die eine Woche genau richtig und wir erfreuten uns alle an der Ankunft im kühlen Ferienhaus.
Selbiges war in eine alte Scheune hineingebaut; wir lebten also auf einem Bauernhof, der seinerseits wohl vor allem von Touristen lebte. Die Ausstattung war traumhaft, gerade im Vergleich zu einem Hausboot. Zusätzlich zu einer endlich geräumigen Küche empfing uns ein hauseigener Pool.
Vom Haus aus machten wir Tagesausflüge in die Gegend. Nach Albi, der Gründungsstadt der Albigenser, wo heute die größte Backsteinkathedrale Frankreichs steht, besuchten wir noch einige Burgen der Katharer (zu deutsch: Ketzer) die sich auf selbigen vor der Inquisition verschanzten. Um wieder den rechtgläubigen Ausgleich zu finden führte unser Weg nach Toulouse (was ein wenig enttäuschend war) und in die nahegelegenen Benediktinerabteien. Allein in der Männerabtei waren über 40 Mönche, was mein Bild vom kirchenfernen Frankreich doch ein wenig korrigierte.
Den krönenden Abschluss des Urlaubs bildete das Grillen mit einem 800g Thunfischsteak. Ich kann die Frischetheken französicher Supermärkte nur empfehlen.
Tags darauf flogen wir wieder der Familie voraus und verbrachten noch einen netten Tag im Hunsrück.