Die erste Uniwoche

Und wiedereinmal vergebe ich fünf Punkte an den aufmerksamen Leser: Es ist Donnerstag und ich schreibe einen Rückblick auf die erste Uniwoche. Was ist mit dem Freitag passiert? „Nun“, lautet meine Antwort unter einem Lächeln der Genugtuung, „den habe ich bereits vor dem Semester aus meinem Stundenplan gestrichen.“ Da auf den Freitag keinerlei Veranstaltungen fallen, die ich für besuchenswert erachte, widme ich diesen Tag dem Selbststudium und kann so schon heute auf die letzt Woche zurückschauen, was ich jetzt auch tun will.
Zwei Eindrücke sind bei dieser Universität bestimmend: Ihre Größe und ihre Weite. Mit der Größe meine ich dabei ihre Studentenzahl, und vor allem die der theologischen Fakultät. Insgesamt gibt es hier drei Fakultäten, eine juristische, eine kultur- und sozialwissenschaftliche und eben die meine. Die geringe Anzahl erklärt sich, wenn man beachtet, dass hier erst seit dem Jahr 2000 eine wirkliche Universität besteht, vorher gab es nur die theologische Fakultät. Und obwohl diese damit die Wurzel des ganzen Erfolges ist, führt sie doch ein wenig ein Randdasein, denn wirklich gewachsen ist sie wohl fast nie. Das besondere an der Größe ist also ihre Kleinheit.
Ingesamt studieren rund 250 Studenten Theologie und verwandte Studiengänge. Das führt dazu, dass die Lehrveranstaltungen meist mit ziemlich kleinen Stückzahlen besetzt sind, die Extreme liegen zwischen 7 und ca. 30. Dementsprechend klein sind auch die Hörsäle, die sicherlich anderen Fakultäten zumeist als Seminarräume dienen. Es fällt also schwer, hier nicht aufzufallen. Zum ersten Mal ist es mir sogar passiert, dass es in der Vorlesung eine Vorstellungsrunde gab.
Der andere Eindruck, die Weite, ist diesmal wirklich so gemeint, und hängt auch mit dem jungen Alter der Uni zusammen. Es gibt in Luzern weder einen Campus (wenn von Campus Luzern die Rede ist, meint das die ganze Stadt inklusive diverser Hochschulen), noch ein zentrales Gebäude der Universität. Selbiges entsteht im Moment und soll 2011 fertig bezogen sein. Dann soll die gesamte Universität samt Bibliotheken in einem Gebäude residieren. Ich selbst halte das für nicht allzu zukunftsfähig. Bis dahin bezieht der Lehr- und Forschungsbetrieb sämtliche Räume in der Stadt, die auf irgendeine Weise geeigent erscheinen. Interessierte können hier nachlesen, was und wo es alles was gibt. Der Stadtplan liefert dabei einen guten Eindruck von den Wegen, die man zwischen zwei Veranstaltungen (15 Minuten) zurücklegen muss. Mich betreffen im Wochenablauf die Standorte 1, 3, 11, 13, 16 und 18.
Die Räume in denen man dann landet, könnten verschiedener nicht sein. Für mich begann alles im „Herrenkeller“, der sinnigerweise im zweiten Stock liegt. Dieser historische Saal ist durch eine massive, dunkle Holzdecke und große, schwere Holztische geprägt, an denen jeweils lederbezogene Stühle mit hohen Rückenlehnen stehen. Nur ein Aufstellpult und ein Whiteboard vermitelt den Eindruck im 21. Jahrhundert zu sein. Der zweite Raum in dem ich war, ist ungleich moderner und befindet sich ein einem (wohl ehemaligen) Hotel. Die Juristen haben in diesem Gebäude im Ballsaal Vorlesung. Hier gibt es allen Luxus an neuestem Mobiliar, Steckdosen und hochtechnisierten Präsentationstechniken. Und heute Vormittag saß ich dann in der Aula einer weiterführenden Schule. Manch einer berichtet von einem Hörsaal, der dafür bekannt ist, dass man hier gerne einschläft: Ein Kino.
Die Veranstaltungen, die ich besuche, ähneln weitestgehend denen, die ich kenne. Es gibt hier aber zwei neue Fächer für mich, nämlich Gregorianik und Judaistik. In der Judaistik lehrt uns ein Rabbiner über die jüdische Medizin-Ethik. Dazu gibt er uns immer Quellentexte, die er dankbarerweise aber immer übersetzt, sie sind nämlich komplett in modernem Hebräisch geschrieben. In einer weiteren Vorlesung zeigt uns eine Professorin aus Israel die Facetten des jüdischen in der deutschsprachigen Literatur.
Die Gregorianikvorlesung zeichnet sich dadurch aus, die oben genannte kleinste zu sein. Hier gehöre ich zu den wenigen wirklichen Theologiestudenten. Der Rest scheint als Hörer aus Interesse zu kommen. Skurrilerweise sind sogar zwei Maschinenbaustudenten anwesend, die sich so ECTS-Punkte für ihr Studium sammeln können.
Mein Fazit der ersten Woche ist positiv. Mit den Wegen muss ich mich noch ein wenig zurecht finden, aber im Moment bin ich noch sehr motiviert und auch meine Lust an der Bibliothek ist noch nicht vergangen.


2 Antworten auf „Die erste Uniwoche“


  1. 1 Claudia 19. September 2009 um 9:35 Uhr

    Das Wandern ist des Müllers Lust…. oder so ähnlich. So haben deine Beine doch den Hauch einer Chance Muskeln zu bilden.
    Geht es wenigstens auch mal bergauf?
    Ich humple immer öfter durch die Wohnung und versuche mich zu betätigen.
    Katharina wünscht sich nichts mehr als eine Mutter mit 2 gesunden Beinen. Wie bescheiden man doch wird.
    Schönes Wochenende
    Mama

  2. 2 Harald 21. September 2009 um 15:12 Uhr

    Es liegt nicht immer an der Anzahl, wenn man auffällt…
    Viel Erfolg beim Selbststudium, da gibt es mehr Stoff als Du an den Freitagen eines Semesters bewältigen kannst. Daür darfst Du die Prüfungsfragen selbst formulieren.

    Ich sitze gerade bei wunderschönem Wetter im historischen Trient in einem Saal mit geschlossenen Vorhängen und WiFi-Zugang,m eei dem aber https abgeklemmt ist, so dass ich mich nicht einmal auf gmx einloggen kann, also kommuniziere ich momentan (elektronisch) ausschließlich mit Dir – ich hoffe, Du weisst das zu schätzen.
    Den Sonnenschein konnte ich immerhin in der Mittagspause (Buffet mit italienischen Kleinigkeiten, Schinken, Käse, Bruschetta, Pasticceria(oder wie auch immer petit four auf Italienisch heissen mag) und vielen Dingen, deren Namen ich nicht kenne, rotem und weissem wein und Espresso. In der Frühstückspause gab es (u.a.) Berliner, man merkt doch, dass man hier am Rande Südtirols ist.
    Das habe ich auch gestern abend erfahren, als ich hier ankam. Zwar war es schon dunkel, so dass ich keinen Sonnenschein genießen konnte, aber die lokale Promotionveranstaltung für regionstypische Produkte hatte noch geöffnet. Ich habe mir, um meiner Selbstverplichtung zum Studium der lokalen Kultur nachzukommen, einen Querschnitt durch diese Spezialitäten geleistet (gab es praktischerweise fertig zusammengestellt für 8,50, inkl. 2 Käsesorten,geräuchertem Schinken, Speck (=südtirolerisch für fetten rohen Schinken), Hartwurst, Kastanienhonig. Dazu habe ich lokale Weine probiert, ein krasser Gegensatz zum Weinfest in Groß-Umstadt, wo ich am frühen Nachmittag war: in Trient gab es den Wein in sehr schicken, langstieligen Weingläsern (am Stand, im Straßenverkauf!), für die man nicht einmal Pfand bezahlen muss (nein, ich habe das Glas nicht mitgenommen, was denkst Du von mir?) – leider habe ich in Anbetracht der Uhrzeit und meiner Selbstdisziplin nur 2 Sorten probiert: einen cabernet Sauvignon aus der Gegend und einen sehr süßen Chardonnay (Beerenauslese oder so).

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