Kleine Hand, ganzer Finger – Die Katholische Kirche

Und wieder verbrachte ich einen der schönen Luzerner Sonntag. Bis zum Mittag ging ich entlang des herrlichen Sees und genoss dabei Landschaft und Verkehrstechnik gleichermaßen. Ich machte mir ein ausführliches Mittagessen und setzte mich mit (ein wenig zuviel) Kaffe und der NZZ am Sonntag für ein paar Stunden im Weltgeschehen fest. Zwischendurch wechselte ich den Standort in die Altstadt um von den Sonnenstrahlen zu profitieren oder um unzählige Fotos der schönen Kulisse zu schießen.
So langsam wurde es dann Zeit, meinen letzten Programmpunkt einzulösen, den Besuch des Gottesdienstes im byzantinischen (orthodoxen) Ritus. Damit kam dann zum ersten Mal Chaos in den sonst so schönen Tag.
Sobald ich mich in der katholischen Franziskanerkirche niedergelassen hatte, fiel mir ein, dass ich gar nicht wusste, welche Konfession hier eigentlich feiert. Denn es gibt sowohl mit der römischen Kirche unierte Konfessionen, die byzantinischen Ritus feiern, als eben auch die Orthodoxen, die zumindest äußerlich noch immer ein „filioque“ von Rom trennt.
Glücklicherweise kam mir das ausliegende Gemeindebuch zu Hilfe, denn dort war ein Stempel „Russisch-Orthodoxe Gemeinde Zürich“ zu finden. Nunja, wir waren zwar nicht in Zürich, aber die Bücher kommen nicht von ungefähr.
Als der Gottesdienst dann aber beginnen sollte, macht der anwesende Diakon noch eine Ansage und begrüßte einen Gast aus Syrien, einen melkitischen Erzbischof, der der Messe vorstehen sollte. Nun sind aber die Melkiten, ganz anders als die russisch-orthodoxen Christen, mit Rom vereint und dementsprechend erfüllen wir westlichen Katholiken auch dort unsere sonntäglichen Pflichten. Nur eben im andern Ritus.
Das Chaos wurde nun durch eine fast babylonische Sprachverwirrung gesteigert. Denn üblicherweise sind in dieser Gemeinde die Liturgiesprachen Deutsch und Französisch. Dazu kam aber, dass der Chor alle seine Teile auf Russisch sang. Und die Spitze war schließlich der Teil des Erzbischofs, der zwischendurch auf Arabisch seine Texte deklamierte. Die Folge war, dass die diversen Kleriker, der Bischof, drei Priester und ein Diakon, auch nicht immer so genau wussten, wer gerade welchen Teil schon gesagt hatte. Und so wurde die „Göttliche Liturgie unsers heiligen Vaters Johannes Chrysostomos“ zum Schauplatz der Völkerverständigung. Aus dem ganzen konnte ich aber noch heraushören, dass in der Litanei für den hiesigen, wohlgemerkt römisch-katholischen, Bischof Kurt gebetet wurde.
Nun war ich völlig desorientiert und beschloss, mir das ganze nocheinmal anzusehen, wenn mehr Routine herrscht und ich weiß, woran ich bin. Daher wechselte ich geschickt an der Stelle, an der die Katechumenen in der Liturgie entlassen werden, den Ort und begab mich in die nebenanliegende Kirche, wo der abendliche Gottesdienst der Hochschulseelsorge stattfand.
Dieser wurde ausnahmsweise von der Katholischen Studierenden Gemeinde aus Dresden gestaltet, die zu einem Gastbesuch in Luzern waren. Und um die Begegnung zu fördern, lud der Hochschulseelsorger nach dem Gottedienst alle Interessierten ein, sich bei einem Bier zusammenzufinden. Die Gelegenheit ließ ich mir nicht entgehen und folgte der Gruppe aus Dresden, ergänzt um zwei Studenten aus Luzern und den genannten Priester, in eine Kneipe.
So kam man ins Gespräche, wurde bekannt und siehe da (und siehe Titel): Schon war ich eingeladen, Dienstags Mittags zum Friedensgebet zu kommen, an einem der kommenden Sonntage Lektor und Kommunionhelfer zu machen und an den anderen Veranstaltungen der Hochschulseelsorge teilzunehmen. So schnell kann es gehen.
Nunja, es ist auch nicht ganz unattraktiv. Zu den Angeboten gehört unter anderem eine Fahrt zum CERN und ich hoffe über diese Kontakte die Möglichkeit zu bekommen, hier wieder Orgel zu spielen.


2 Antworten auf „Kleine Hand, ganzer Finger – Die Katholische Kirche“


  1. 1 Harald 21. September 2009 um 15:24 Uhr

    Vielleicht solltest Du einen Freitag doch dem Studium des Dudens widmen („viel“). Oder der Kirchegeschichte/dem Lateinbuch („filioque“ und nicht nur „-que“.
    Nur mal am Rande: was hättest Du denn ohne den zufälliogen Melkiten mit Deiner Sonntagspflicht gemacht? Wenn Du Dich mal wieder mit Kirchenrecht befasst, könntest Du auch mal die Frage beleuchten, ob Mess-Zapping sich mit der Sonntagspflicht vereinbaren lässt und bei welcher Stelle man wechseln muss, damit es gültig ist. Ich stelle fest, dass Du scon sehr produktiv daran arbeitest, auch am Wochenende nicht mehr kochen zu müssen (Erasmus, KHG, …).

  2. 2 Ben 21. September 2009 um 18:10 Uhr

    Das mit dem Mittagessen verstehe ich auch nicht, da hat sich nach wie vor nichts dran geändert.
    Wegen der Sonntagspflicht hatte ich ja von Anfang an den Hochschulgottesdienst im Blick. Und das Zapping war da ja nur sinnvoll, sonst wäre ich gar nicht mehr rechtzeitig gekommen.

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