Archiv für September 2009

Eine Woche hier

Hallo,

seit ungefähr jetzt bin ich eine Woche lang in Luzern. Wie zu erwarten, kommt es mir schon viel länger vor als 7 Tage und ich habe das Gefühl mich eingefunden zu haben.
Mit der Sprache klappt es auch schon immer besser. Mitten in der Woche hat mir sogar eine Mitbewohnerin aus dem Wohnheim gesagt, ich würde sehr gut Schweizerdeutsch verstehen, gemessen an der Zeit, die ich hier bin. Lustigerweise habe ich genau diese Aussage nicht verstanden.
Die letzten Tage habe ich mit den Einführungsveranstaltungen der Theologischen Fakultät verbracht. Da die gesamte Fakultät nur knapp 250 Studenten hat, war die Veranstaltung der Erstsemester nicht gerade überlaufen. Wir wurden sogar im vornherein über einen Raumwechsel wegen hoher Teilnehmerzahl informiert. Das hieß, dass wir in einem Raum mit 30 Plätzen zu 14 saßen. Das ist sogar noch überschaubarer als Mainz.
Richtige Erstsemester waren aber kaum da, denn die meisten neuen haben schon etwas anderes studiert oder stehen mitten im Beruf. Das mag zwar ganz interessant sein, hat aber zur Folge, dass die Gruppe vor allem aus quasi Seniorstudenten besteht. Und wie die es so an sich haben stellen die komische Fragen. Das taten sie auch ausführlich, was die folgenden Stunden und Tage relativ ätzend machte.
An zweien davon bekamen wir eine Einführung in das Bibliothekswesen. Das war auch nötig, denn das hiesige System ist doch ein wenig komplexer als das heimische. Beispielsweise sind zwar alle Titel elektronisch erfasst, die vor 1983 aufgenommenen allerdings nur, indem der alte Zettelkasten gescannt und per OCR ausgewertet wurde. Diese fragwürdige Lösung wird jetzt bis Mitte nächsten Jahres von einer ungarischen Spezialfirma eliminiert. Bis dahin muss man weiter im virtuellen Zettelkatalog suchen.
Der Referent der Bibliothek war darüberhinaus ein ganz schöner Nerd (sein Ausleihkonto war gefüllt mit Büchern über Perl und OpenSuse) und erklärte den leicht verwirrten Alt-Studenten was RSS-Feeds und Blogs sind, einen solchen hat die Bibliothek Luzern nämlich neuerdings. Auch Begriffe wie social-tagging waren dem Rest der Gruppe und meinen Nerven nicht gerade hilfreich.
Nun habe ich immerhin ein wenig Ahnung von der Bibliothek und kann gespannt sein, wieviel ich davon ab Montag brauchen kann. Da geht nämlich mein Semester los.
Vorher werde ich noch ein Wochenende mit meiner Hausarbeit genießen und hoffen, dass das Wetter noch einmal schön wird.

Kulturstudie: Musik in Luzern

Ich glaube nichts ist mir während meines Aufenthalts hier schneller ins Ohr gehüpft, als die ständige Präsenz von Musik in dieser Stadt. Es vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht mindestens einmal einer Livemusik begegnet. Schon als ich das erst Mal für nur 2 Tage hier war, hallten abends über den See die Klänge von lateinamerikanischer Musik. Und an meinem ersten richtigen Tag hier war, wie es übrigens wohl fast jeden Samstag ist, Jazz in der Bahnhofshalle. Dort spielen dann von morgens bis abends diverse Bands aller Stilrichtungen. Als ich dann Abends heim ging war im benachbarten Kanuklub ein Alleinunterhalter (allerdings war der das bisher niveauloseste) und bei meinem nächsten Stadtrundgang veranstalteten die Verkehrsbetriebe eine Art Hip-Hop Straßenfest.
Neben diesen Nebenschauplätzen gibt es auch an den offiziellen Orten ständig was zu erleben. In den Kirchen der Altstadt treten ständig Profiorganisten an und begleiten die Gottesdienst. Gestern Abend war ich dann sogar in einem richtigen Konzert. Es war eine Kombination aus 9 Blasmusikern, einem Trommler und der gigantischen Orgel in der Luzerner Hofkirche. Sehr laut und eindrucksvoll. Und vor allem voll. Denn man muss bedenken, im Kulturzentrum Luzern war gleichzeitig auch Konzert. Und das ist es die nächsten Tagen jeden Abend und manchmal sogar tagsüber. Dort findet im Moment nämlich das Lucerne Festival statt, zu dem Orchester aus der ganzen Welt anreisen. Man kann also, wenn man betucht genug ist jeden Abend synfonisch beschließen.
Wenn dieses Fest dann sein Ende gefunden hat und auf die Neuauflage zu Ostern wartet, geht es schon weiter, dann nämlich stehen die Namen Diana Krall und Brian Adams schon angeschrieben.
Und immer mal wieder passieren kleine Überraschungen. Heute Abend stand in unserer Straße ein Musikverein und spielt. Und gestern Nacht nutze ein ebensolcher die muschelförmige Bühne am See für ein kleines Konzert am Sommerabend. Ebenso habe ich schon von der ein oder anderen Jazzkneipe gehört. Ganz normale Diskotheken wird es auch geben, aber ehrlich gesagt ist das nicht so mein Zielgebiet.
Man sieht also: Hier wird es nie still werden. Und für jeden ist etwas dabei. Sozusagen kultureller Overflow.

Internet und Behörden

Ihr könnt hoffentlich ahnen, wie sehr ich mich freute, als ich es sicher hatte: Internet. Seitdem fühle ich mich wieder wie ein ganzer Mensch und kann endlich die Programm nutzen, die ich will, meinen PC mit Updates versorgen und vor allem: Kontakt aufnehmen. Hier im Wohnheim ist es damit im Moment (hoffentlich) noch ziemlich mau, durch die Sprache fühlt man sich nicht allzu heimisch und Kommunikation aus dem Nichts war noch nie meine Stärke. Ich hoffe, das wird auch durch Uni anders werden.
Nachdem ich dann endlich voll im WWW versinken konnte, wurde ich schon brutal aus meinem Zimmer geworfen: die Putzfrau kam. Es mag zwar nach Luxus klingen, wenn das eigene Zimmer jede Woche geputzt wird, aber es ist nicht gerade angenehm zu wissen, dass das eigene Zimmer einem nicht gehört. Hals über Kopf musste ich selbiges dann auch verlassen und war gerade noch fähig genug ein paar Sachen mitzunehmen. Leider nicht genug, wie ich dann feststellen musste. Meine Pläne für heute Vormittag umfassten nämlich drei Punkte: Anmelden bei der Stadt, Eröffnung eines Kontos und Anmelden bei der Universität.
Zum Anmelden auf der Stadt brauchte ich zuerst einmal Passfotos. Um die machen zu lassen, brauchte ich Geld. Das war das erste, was ich vergessen hatte. Also musste ich zuerst einen Geldautomaten aufsuchen. Das gezogene Geld war nach den Fotos auch fast wieder weg: 35 CHF (21€) für vier Passfotos. Als ich die dann bei mir und den schock überwunden hatte, wollte ich auf die Stadt. Aber ich hatte weder eine Adresse noch die nötige Immatrikulationsbescheinigung oder den Krankversicherungsnachweis. Also musste ich wieder zum Wohnheim (das sind übrigens jedes mal 1,5 km zu Fuß!) und dort warten bis mein Zimmer frei wurde. Der Rest lief dann recht flüssig und ich erhalte in 2 Wochen einen Ausweis dafür, dass ich hier nicht wirklich wohne, aber trotzdem bleiben darf.
Nach diesem Erfolg ging es an die Kontoeröffnung, die schlicht wegen Personalmangels scheiterte. Ich solle am Nachmittag wieder kommen (3*1,5 km…). Und auf der Uni war die einzige zuständige Dame nicht anwesend. Also war der Gang für die Füße und ich musste am Nachmittag wieder hin. Das hat dann immerhin geklappt.
Die Sprache ist weiterhin eine kleine Barriere. Heute im Fotoladen war die nette Angestellte zwar gut aussehen, aber nur schwer verständlich. Und im Gegensatz zum Verkäufer im Elektromarkt konnte sie nicht auf Hochdeutsch wechseln. Bei letzterem habe ich mich zum ersten Mal getraut zuzugeben, dass ich seine Aussage nicht verstanden hatte. Nun besitze ich auch einen Wasserkocher.

Die versprochenen Fotos folgen.

Anfang und Ankunft

Hallo liebe Leser,

ich bin da! Seit gestern Abend weile ich in meiner vorübergehenden Bleibe Luzern. Noch befinde ich mich mitten im Ankommen. Mein Zimmer ist schon bezogen, ich habe schon Verpflegung besorgt und sogar einen Schlüssel fürs Haus. Aber ach! ich habe noch kein Internet. Wie ich dabei trotzdem schreiben kann? Nun, ich sitzte vor dem Bahnhof auf einer der zahlreichen Bänke und nutze das Angebot der Stadt Luzern, die ihre komplette Innenstadt mit einem gesponsorten WLAN versorgt. Das hält mich über Wasser, bis ich mein eigenes nutzen kann. Allerdings sind die 10 Minuten Fußweg ins Netz doch ein wenig weit.
Auch wenn ich mich noch nicht ganz heimisch fühle, scheine ich es doch zu sein, denn gerade eben fragte mich ein Tourist nach dem Weg in die Innenstadt. Selbstverständlich konnte ich ihm kompetent weiterhelfen.
Mein Zimmer im Wohnheim hat stolze 13 qm plus 3 qm Balkon. Das Bad befindet sich schräg gegenüber auf dem Gang. Aber immerhin ist es mein eigenes. Innen geht es ein wenig eng zu, aber ich habe genausoviel Möbel wie alle anderen. Nur halt weniger Platz dazwischen. Ich musste aber kaum wieder etwas mit nach Hause geben.
Das Wohnheim selbst ist noch recht leer, weil wohl an der Berufsschule und eben auch an der Uni noch Ferien sind. Aber meinen Nachbarn habe ich schon kennengelernt und mich sogar nett mit ihm unterhalten. Und weil Ferien sind, um damit wieder zum Anfang zurückzukommen, habe ich auch noch kein Internet. Aus irgendeinem Grund wird das nämlich von den Bewohnern verwaltet und der entsprechende Bewohner ist wohl bis zum 14. September im Urlaub. Ich hoffe, da lässt sich eine andere Lösung finden, was soll ich den z.B. bei Regen surfen? Vielleicht kaufe ich mir doch ein Zelt.
Ich habe auch schon viele Bilder gemacht, denn heute ist, nachdem es gestern in Strömen regnete, ein sonniger Tag. Die werde ich dann hochladen, sobald ich konstant mit Internet versorgt bin.
Damit mir nicht langweilig wird, habe ich mir schon einmal Flyer im Touristenbüro zusammengesucht. Das kulturelle Angebot ist wirklich einzigartig. Man kann quasi jeden Abend ein Konzert hören, ins Theater gehen oder in einer Jazzkneipe Livemusik begießen. Ein bisschen schlägt sich das auf das Gottesdienstangebot nieder. Sonntags ist in der einen Kirche um 7, 10, 15, 17 und 20 Uhr Gottesdienst, darunter eine Orgelmesse und eine in englischer Sprache, in der anderen Kirche „nur“ dreimal, dafür einmal davon jeden Sonntag auf Latein. Ob das geistlich gesehen sinnvoll ist… Ich werde das ein oder andere sicher mal ausprobieren.

Für den Moment muss das reichen, ich werde jetzt wieder heimlaufen und mich dann meinem sauteuren Abendessen zuwenden (Einkaufen ist hier nicht billig). Döner habe ich übrigens ab 9 CHF (ca. 6 €) gesehen. Will noch jemand Diät machen? Herzliche Einladung.

Einen wunderschönen Abend

Euer

Ben