Archiv für Oktober 2009

Bergwanderung

Es wäre mehr als schade, die letzten Tage des goldenen Herbstes (und das war er bis heute wirklich) in der Schweiz nicht zu nutzen, um die Berge zu besteigen. Die beste Gelegenheit bot dazu der vergangene Samstag.
Zusammen mit zwei Erasmusstudentinnen (Tschechien und Weißrussland) fasste ich also den Entschluss den naheliegenden Pilatus zu besteigen. Dieser Berg (eigentlich ein Bergmassiv mit mehreren Gipfeln) prägt das Landschaftsbild Luzerns entscheidend und wirkt von der Innenstadt bei schönem Wetter nahezu greifbar nahe. Das ist er aber nicht wirklich, er liegt nicht einmal mehr im Kanton Luzern. Trotzdem klingt es manchmal so, als wäre er der eigentliche Hausberg der Stadt Luzern. Er gehört auf jeden Fall zu einer der üblichen Sehenswürdigkeiten, vor allem weil man von seinen rund 2100 Metern einen guten Blick auf die Stadt und den Vierwaldstättersee hat.
Der Einstieg zur Wanderung ist mit dem Bus gut zu erreichen und ich nutzte den Anlass um mir endlich eine Monatskarte zu kaufen. Von dort aus führte uns der bestens beschilderte Wanderweg in 5,5 Stunden den Berg hinauf. Zwischendurch wechselte die Landschaft immer wieder zwischen Wald, Wiese und felsig-steilen Serpentinen ab. Die Wege selbst waren relativ leer, nur ab und an trafen wir auf ein paar Mountainbiker. Auf halber Strecke endete die erste Seilbahn und bot einige Attraktionen, die längste Sommerrodelbahn der Schweiz und einen Kletterpfad durch die Baumwipfel mit allerlei spaßig aussehenden Herausforderungen. In Anbetracht unseres eigentlichen Ziels verzichteten wir aber auf das Vergnügen und nahmen das letzte aber auch steilste Stück auf uns.
Nach unendlich wirkender Plackerei erreichten wir verschwitzt den Hügel und ließen uns ersteinmal empfangen. Von einer Horde Touristen. Man konnte kaum glauben in 2000 Metern höhe zu sein, denn überall waren Japaner, Chinesen und alle möglichen Einwohner dieser Erde, zum Teil in Anzügen oder beträchtlichen Alter. Alles Anzeichen dafür, dass sie einen anderen Weg auf den Berg gewählt hatten: Die Seilbahn oder, und dieses Verkehrsmittel ist noch deutlich populärer, die steilste Zahnradbahn der Welt. Dementsprechend war der Gipfel auch sehr gut ausgebaut. Dort oben stehen insgesamt zwei Hotels, dazu Touristenshop, Restaurant und Imbiss.
Nichtsdestotrotz war die Aussicht wunderbar zu genießen und der Blick auf Stadt, Land und See war von keiner Wolke getrübt. Nach ausreichender Betrachtung der Naturschönheit entschieden wir dann, dass es für einen fußläufigen Abstieg schon zu spät sei, weswegen wir uns den Luxus der Seilbahn gönnten. Selbst diese Fahrt dauerte eine halbe Stunde, was gut zeigt, wie weitläufig der Aufstieg verteilt ist.
Unten angekommen herrschte Einigkeit über einen gelungenen Ausflug. Fotos habe ich hochgeladen.

Studierendenausflug

Der 2. Oktober ist ein Feiertag. Zumindest hier im katholischen Luzern wo man den hl. Leodegar besonders würdigt. Also hatten wir heute keine Uni und die Fachschaft die Chance uns einzuladen zusammen etwas zu unternehmen. Dieser jährliche Ausflug führte uns heute in den Kanton Zug (stellt euch die Masse an Wortspielen vor, die mir durch den Kopf gingen), wo wir ein syrisch-orthodoxes Kloster besichtigten. Das war eine reizvolle neue Erfahrung, denn sie syrische Kirche unterscheidet sich doch stark von den griechisch bzw. russisch-orthodoxen Kirchen. Hier wird noch Aramäisch (die Sprache Jesu) gesprochen und die alte syrische Liturgie gefeiert. Alles wirkt dabei ziemlich archaisch, weil die Sprache noch fremder klingt als es Latein und Griechisch tun.
Außerdem verbindet diese Konfession viel mit arabischer Lebensweise. Das konnten wir schon im Kloster merken, wo der „Aufenthaltsraum“ nicht karg und streng im westeuropäischen Stil eingerichtet war, sondern voller Sofas stand, Teppiche auf dem Boden hatte und mit kleinen handgeschnitzten Tischchen gefüllt war. An den Wänden hingen verhältnismäßig kitschige (eben nah-östlich geprägte) Bilder von Wüstenklöstern. Stilecht reichte uns der führende Mönch dazu schwarzen Tee in kleinen Gläsern.
In der Schweiz gibt es rund 1500 syrisch-orthodoxe Christen, deren Bischof in eben diesem Kloster residiert. Darauf kommen noch 5 Weltpriester und die Klosterbewohner. Eine Vereinbarung zwischen dem Vatikan und dieser Kirche erlaubt es den Syrern aber, auch an katholischen Gottesdiensten teilzunehmen, wenn kein eigener Priester erreichbar ist.
Nachdem wir dem Priester noch beim Mittagsgebet gelauscht (und natürlich nichts verstanden) haben, fuhren wir in den Garten einer Komilitonin, wo wir gemeinsam grillten. Nebenbei konnte ich wieder mein Schweizerdeutsch deutlich aufpolieren. Statt „gewesen“ sagt man bspw. „g’sie“, oder so ähnlich. Das war ein wichtiger Schlüssel, denn endlich konnte ich die Tempora besser differenzieren.
Richtig verwirrend wurde es aber, als es um den Heimweg ging. Es gab die Alternativen mit dem Zug nach Zug zu fahren oder dorthin zu laufen. Bis zum Schluss konnte ich nicht unterscheiden wer jetzt was meinte, wenn er sagte, dass er „auf Zug“ oder „zu Zug“ gehen würde. Ich habe mir erklären lassen, dass Schweizer nicht mit Präpositionen umgehen können. Das löste zwar die Verwirrung nicht, machte mir aber gewiss, dass es nicht an mir lag.
Ich entschied mich für das Laufen und genoß so noch zwei Stunden am Zuger See. Alles in Allem ein anstrengender und gelungener Tag.