Archiv für November 2009

Tridentinische Messe

Heute hatte ich eine Univeranstaltung. Genau, am Sonntag morgen um 9 Uhr. Wir (4 Studenten) haben uns mit der Assistentin für Liturgiewissenschaft getroffen, um hier in Luzern eine Messe im außerordentlichen Ritus (dem, der vor 1970 in der katholischen Kirche gefeiert wurde) mitzuerleben, weil wir dieses Thema vor zwei Wochen in der Vorlesung hatten.
Eigentlich waren wir eine dreiviertel Stunde zu früh da, denn der Gottesdienst begann mit Anbetung und Rosenkranz (echte Volksfrömmigkeit, fast schon anachronistisch) und es ging erst gegen 9:50 Uhr mit dem Asperges (besprengen mit Weihwasser los).
Der Gottesdienst insgesamt war interessant, weil man die Form ja so nicht kennt und weil auch die Leute ganz anders waren. Die Kirche war sehr voll, was vermutlich daran lag, dass zu so exotischen Gottesdiensten immer Leute aus der ganzen Region anreisen. Es waren auch einige Familien anwesend und wenn ich die Kinder richtig beobachtet habe, waren die an diese Gottesdienstform gewöhnt. Etwas ungewöhnt für mich war das ständige Knien, dass doch das gewohnte Maß deutlich überschritt. Kluge Gottesdienstbesucher/teilnehmer hatten Kissen für die Knie.
Der Ritus war auch noch relativ unvermischt mit dem heute üblichen, lediglich das Evangelium wurde nicht gegen die Wand (nach Norden, da wo die Heiden sind) gelesen und die Texte der Lesungen waren auf Deutsch. Sonst lief alles auf Latein, das meiste schweigend.
Der Abschuss war aber die Predigt. Zwischenzeitlich hätte ich mich gerne vor Lachen auf dem Boden gekugelt, am Schluss aber lieber dem Priester meine Meinung gegeigt.
Der Prediger hatte zwar in seiner Stimme das Charisma einer automatischen Bahnhofsansage, die Inhalte waren dafür umso einfacher und klar verständlich. Es herrschte ein strenger Dualismus zwischen Gott (natürlich dem katholischen Gott) und dem Satan. Das Thema der Predigt war die Heilung Gottes in unserer Zeit.
Es lässt sich leicht zusammenfassen: Alle Schulmedizin ist (unter Gottvertrauen) in Ordnung und wenn sie ganz wissenschaftlich erklärbar abläuft und im verborgenen geschieht in Ordnung. Alles was man nicht erklären kann ist vom Teufel. In der Folge wurde die Homöopathie, die Psychologie, die Akkupunkter und die Fußreflexzonenmassage als teuflisch gebrandmarkt. (Die Orthopäden nicht, wie eine Komilitonin treffend bemerkte, denn die müssen ja die Knie der Gläubigen in Ordnung halten). Letztlich soll man sich immer auf einen Priester und seine Handauflegung verlassen (das hat er zwar nicht gesagt, aber ein anderer Schluss war nicht möglich), denn Priester seien nie (!) besessen und deswegen wäre die Chance da Satan zu treffen gleich 0%. Das alles deklamierte er in einem Stil, der mich ab und an an Jürgen von der Lippe erinnerte, was mein amüsement nur steigerte. Der Unterschied: Der da vorne meinte es ernst, auch wenn man es nicht glauben wollte.
Zum Schluss wurde es dann aber zu heftig, als er gegen die Schweinegrippeimpfung predigte und an die Vogelgrippe vor drei Jahren erinnerte: „Kennen sie einen Menschen der an der Vogelgrippe gestorben ist?… Na also!“
Am liebsten hätte ich „Ja“ reingerufen.

7 Stunden Kultur

An diesem Wochenende habe ich es geschafft zwei Locations zu besuchen, die ich schon vom Anfang meine Aufenthalts hier in Luzern an ins Auge gefasst hatte. Nachdem beides vorbei war, waren es sieben Studen kultureller Tätigkeit.
Am Freitag bin ich gegen Mittag in das Verkehrshaus der Schweiz gefahren. Das ist das größte Museum zum Thema Verkehr in der Eidgenossenschaft und da mein Interesse an Fahrzeugen aller Art ungebrochen ist, war der Besuch dort eigentlich ein Muss. Auch der recht stolze Eintrittspreis von 27 Franken hat mich nicht davon abgehalten, die nächsten vier Studen lang mit Flugzeugen, Schiffen und Schienenfahrzeugen zu verbringen. Richtige Highlights waren nicht dabei. Ganz nett war aber ein Simulator eines der ersten Flugzeuge, bei dem man mit einer Hand die Steigung bestimmt und durch Herumrutschen mit dem Becken (man lag auf dem Hauptflügel) die Neigung. Leider scheint mitten während meines sehr erfolgreichen und vor allem akrobatischen Flugversuches (ich kann den Hüftschwung jetzt perfekt) der Strom ausgefallen zu sein. Folglich konnte ich nicht wieder landen, zum Glück aber nur virtuell, in Echt bin ich dann ein wenig enttäuscht in die Halle mit den Autos weitergegangen. Die ist wohl ganz neu und außen komplett mit Straßenschildern verkleidet. Innendrin wird man das Gefühl nicht los, dass es dafür bestimmt einige namenhafte Sponsoren gab. Ganz nett war ein riesiges Regal mit alten Autos, die für ein interaktives „Autotheater“ via Roboter vor das Publikum gefahren wurden.
Mein Zielpunkt war dann die Halle mit den Schienenfahrzeugen, die typisch schweizerisch zum großen Teil mit Zahnradantrieb ausgerüstet waren. Auch eine Exemplar von der steilsten Zahnradbahn der Welt (Pilatus, 48%) aus den 30ern war vorhanden. Besonders schön war die ca. 35 qm große Modellbahnanlage, die den Gotthard nachstellte, der wohl mit Eisenbahntunnels nur so durchlöchert ist.
Heute morgen waren dann die anderen drei Stunden Kultur dran und die verbrachte ich im KKL (Kultur und Kongresszentrum Luzern). Eine der Erasmusstudentinnen hatte über irgendwelche verschlungenen Kontakte Karten für eine Generalprobe des 21st Century Orchestras bekommen. Diese Luzerner Formation spielt seit einigen Jahren immer wieder Film- und Musicalmelodien in professioneller Besetzung. Eigentlich stehe ich ja gar nicht auf Soundtracks, aber der Konzertsaal (er soll akustisch einer der besten der Welt sein) hat mich auch schon lange gereizt, eigentlich auch das ganze KKL. Die Probe war erst einmal eine Stunde lang eine normale Probe mit vielen Unterbrechungen, aber danach spielten sie das Programm am Stück, auf einer Leinwand wurden dazu passende Filmszenen gezeigt. Ich habe Toy Story, Winnetou, Gladiator, Lord of the Rings, James Bond und noch einiges anderes gehört. Nach zwei Stunden war der größte Teil der Konzertes auch vorbei, ich musste dann aber zwecks Mittagessens gehen, das soll ja auch nicht vernachlässigt werden. Und musikalisch war es eben auch nicht übermäßig spannend.
Trotzdem bin ich froh dagewesen zu sein und wieder etwas Neues gesehen zu haben.

Warten…

Ich sitze seit Stunden vor meinem PC und warte. Aber nicht etwa weil nichts passiert.
Gestern Abend habe ich mit den Vorbereitungen begonnen und mein bis dahin aktuelles Betriebssystem XP in eine virtuelle Maschine verwandelt. Damit kann ich meinen alten PC weiternutzen, auch wenn es ihn gar nicht mehr existiert. Ich brauche eben nur diese VM dafür. Damit war dann mein Platteninhalt soweit gesichert, dass ich mich daran wagen konnte, alle vorhandenen Daten und Partitionen zu löschen und Platz zu machen für meine Neuheit: Windows 7.
Nachdem ich das heute direkt nach dem Mittagessen getan hatte, habe ich mich mit einem netten Buch hingesetzt und gewartet, dass mein PC die Neuinstallation möglichst bald beendet. Dann fing das Gefummel an. Zuallererst hatte ich kein Internet. Das ist eine ziemlich doofe Voraussetzung, denn ohne Internet geht schließlich gar nichts, keine Treiber, keine Updates, keine Programm. Woher aber Internet, wenn genau der Treiber dafür fehlt? Zum Glück habe ich aus irgendeinem Grund beim Umzug einfach mal alles mitgeschleppt und eine passende CD parat gehabt. Das war aber wirklich Zufall.
Seit dem das funktioniert bin ich eigentlich nur dabei alte Programm wieder zum Laufen zu bringen, meinen Virenscanner zu aktualisieren und Einstellungen von meinem alten Rechner zu übertragen. Dabei sind die Kämpfe vor allem an der Front der Zugriffsrechte auszutragen. Nunja, man wächst mit seinen Herausforderungen. Aber es wird wohl noch ein paar Tage dauern, bis ich alles fertig habe. Wenn ich also in dieser Zeit schlecht erreichbar bin, dann hat das andere Gründe :)

Alles neu macht der November

Ich bin gerade von einem Heimatwochenende nach Luzern zurückgekehrt und habe im Gepäck ein paar neue Dinge:
1. Ein Handyladegerät. Das Handy war schon lange da, aber ohne Akku ist so ein Gerät höchstens hübsch und selbst das war nicht unbedingt gegeben. Eine SIM-Karte dazu habe ich hier auch schon gekauft, sodass ich ab sofort zwei Nummern, eine schweizer und eine deutsche, parallel betreiben kann und es auch tun werde. Wer die neue schweizer Nummer wissen will, soll sich bei mir melden. (Nach den Erfahrungen aktueller Datenskandale werde ich die Nummer nicht im Internet veröffentlichen).
2. Eine DVD. Kein Film, sondern das erste selbst gekaufte Betriebssystem, nämlich Windows 7. Sollte ich die nächsten Tage also nicht erreichbar sein, dann liegt es daran, dass ich meinen Rechner noch nicht wieder zum Laufen gebracht habe ;-) . Ich hoffe aber nicht, dass das passiert.
3. Ein Zeugnis. Seit dem 13. Juli habe ich es endlich offiziell, mein Vordiplom. Jetzt hatte ich endlich die Gelegenheit mir diesen wichtigen Schritt auch schriftlich geben zu lassen. Das ist irgendwie beruhigend, sowas in der Hand zu halten.
4. Jede Menge Tempos. Seit Donnerstag bin ich erkältet, aktuell fehlt mir die Stimme fast völlig und ich habe schon mehrere Bäume vollgeschnupft, wenn man mal die Menge an Tempos hochrechnet, die ich verbraucht habe. Aber ich hoffe die kommende Woche bringt Besserung.