Adventsabend

Der Reigen alljährlicher Adventsfeiern hat begonnen. Entgegen der statistisch am häufigsten getroffenen Aussage auf diesen Feiern, die vorweihnachtliche Zeit solle der Ruhe dienen, verursachen diese Veranstaltungen meistens Aufregung und Anstrengung. Zum Glück nicht für mich. :)
Die gestrige Feier wurde vom Priesterseminar St. Beat Luzern ausgerichtet, was für mich eine willkommene Gelegenheit war, selbst einmal einen Blick hinter die hübschen Betonmauern zu werfen. Architektonisch ist hier sicherlich kein Vergleich mit dem Mainzer Seminar zu machen, dafür halten die Wasserrohre vielleicht noch ein paar Jahre länger.
Schon beim Eintreten war ich doch sehr überrascht, wie viele Gesichter der Anwesenden ich schon kannte. Anscheinend wohnt die komplette theologische Fakultät dort, oder zumindest ein sehr großer Teil. Das machte mir dann doch bewusst, dass mein Wohnheim nur ein normales Wohnheim ist. Das Seminar steht theoretisch zwar auch allen Studenten offen, aber natürlich finden sich hier mehr von der Sorte, die mit einer Roratemesse um 6:30 Uhr etwas anfangen können.
Standesgemäß begann der Abend mit einer Eucharistiefeier in der nicht minder betonlastigen Kapelle. Ganz unschweizerisch wurde dabei sogar Weihrauch verwendet! Auch sonst war alles ausgesprochen harmlos, eine Erfahrung, die ich nicht in allen Gottesdiensten hier machen konnte.
Im Anschluss fand der gemütliche Teil im Speisesaal (ja, Beton) bei Glühwein, Nüssen und Wurstbrötchen statt. Wir wurden abwechselnd von uns selbst und von geplanten Beiträgen unterhalten, darunter Klassiker, wie weihnachtliche Geschichten (ein Graus) und selbstgesungene Lieder. Hier gab es durchaus Interessantes zu hören: Eine Gastprofessorin aus Jerusalem sang beispielsweise chassidische und aschkenasische Melodien zu Hanukka mit uns. Auch die sonstige Musik konnte sich sehen lassen, der absolute Höhepunkt war aber eine Gruppierung aus drei Geschwistern (ich glaube, alle studieren Musik), die Kontrabass, Geige und Hackbrett spielten. Und das sehr gut! So hatte ich endlich auch einmal die Gelegenheit dieses schweizerische Instrument live zu hören.
Alle drei Geschwister hießen „Küng“ mit Nachnamen, was an unserem Tisch zum Running-Gag wurde: Küng muss immer den Ton angeben, Stimmung machen, die erste Geige spielen usw. Oder auch: „Ich finde, die interpretieren ihre Stücke sehr kirchenkritisch“; „Wenn sie dieses Fis nicht wiederrufen, muss ich ihnen die Lehrerlaubnis entziehen“.
Während des Abends wurde der Ökonom des Hauses verabschiedet und bekam einen Holzschnitt des Seminars überreicht. So ein Geschenk scheint mehr als üblich, beim Abschied des Ökonomen aus Mainz bekam dieser auch eine bildhafte Darstellung des Hauses. So etwas nenne ich Weltkirche.
Den Abschluss des Abends bildete die Freigabe der Bierkästen durch den Spiritual (Glühwein macht ja bekanntlich Durst) und ein gemütliches Zusammensitzen bis Mitternacht.


1 Antwort auf „Adventsabend“


  1. 1 Claudia Schöning 07. Dezember 2009 um 19:28 Uhr

    Schön, dass es bei dir gemütlich zugeht. Wir haben es gestern nicht mal geschafft, die 2 Kerze anzuzünden. Dafür waren wir ziemlich oft in der Kirche, zumindest ich.
    Pfr. Röper sucht im Januar 2011 eine Bleibe in Dieburg, um wählen zu können.
    Sollen wir mal eine Herbergssuche starten?
    Mama

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