Odysseus lässt grüßen!

Für gewöhnlich sind die Schweizer Bundesbahnen wie die Schweizer selbst, nämlich pünktlich und präzise. Das einzige was sie aus dem Takt bringen kann, sind unvorhergesehen Ereignisse. Aber von Vorne: Für meine Fahrt von zu Hause nach Luzern wählte ich dieses mal die späteste Verbindung des Tages, weil für diese noch ein Sparpreis verfügbar war. Probleme durfte es wegen der späten Uhrzeit keine geben, mein Vertrauen in die Bahn ist diesbezüglich allerdings auch unerschütterlich. Bis kurz vor der Grenze lief auch alles sehr glatt, nur kurz Vor Basel Bad Bf blieb vor unserem ICE ein Güterzug liegen und wir verbrachten die 15 Minuten, die ich in Basel SBB zum Umsteigen gehabt hätte, auf freier Strecke. In Folge war mein Anschluss natürlich weg und ich musste mit einer S-Bahn vorlieb nehmen. Aber: besser als nichts. Übrigens hatte ich einen sehr guten Sitzplatz direkt hinter dem Fahrer (den man im ICE3 ja sehen kann), sodass ich alle Details der Verhandlungen über die Weiterfahrt live mitbekam. Die S-Bahn fuhr mich dann wie geplant nach Olten (zu Tagzeiten kann man die Strecke durchfahren), wo ich dann 25 Minuten Wartezeit in Kauf nehmen musste, zzgl die 6 Minuten Verspätung, die das Kind im Brunnen aber auch nicht mehr Fett machten. Die überall vorhandenen dynamischen Informationstafeln bereiteten mich aber schon auf die nächste Hürde vor: Auf der Strecke nach Luzern ist ein Zug mit einem Auto kollidiert, dadurch müssen Reisende in Zofingen in einen Bus umsteigen, sich nach Sursee fahren lassen und dann wieder im Zug weiterfahren. Genau das, was ich Nachts um halb 1 brauche… Das Krisenmanagement der SBB ist aber auch nicht gerade schlecht, die automatische Ansage beherrscht sogar die Phrase „wegen Kollision mit einem Straßenverkehrsfahrzeug…“. Die Wartezeit nutze ich für weiter irrrelevante Informationen. Z.B. wurde der Bahnhof Olten 1856 als Nullpunkt für die Kilometerkennzeichnung des Schweizer Eisenbahnnetzes auserkoren. Durch rasches Wachstum hat er diese Position aber nicht halten können. Derweil sitze ich im IR nach Luzern. Die kritische Stelle Zofingen haben wir noch nicht erreicht, ich mache mir aber Hoffnungen, dass die Strecke wieder geräumt ist. Immerhin muss ich vom Bahnhof in Luzern auch noch ins Wohnheim laufen. Gute Nacht Update: Inzwischen bin ich gut in Luzern angekommen, die haarige Stelle bei Zofingen blieb mir erspart. Ich durfte dafür den Feuerwehrzug im Bahnhof Luzern bewundern.


3 Antworten auf „Odysseus lässt grüßen!“


  1. 1 Quamvis sint sub aqua, sub aqua maledicere temptant 20. Februar 2010 um 10:05 Uhr

    Ohje mein Schatz, das ist wirklich die reinste Odyssee! Ich bin froh, dass du trotz später Stunde und einiger Malheurs gut in Luzern angekommen bist.
    Passender Weise habe ich dir die „sup aqua“ Stelle zitiert, von der ich nun weiß, dass sie in Buch 6 steht (Lykische Bauern). Vielleicht hast du ja Lust die Stelle zu lesen?!

    Vale!
    Kerstina

  2. 2 Laertes 22. Februar 2010 um 9:20 Uhr

    Sage mir, Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes,
    Welcher so weit geirrt….

    Du jammerst ganz schön wegen ein paar Minuten, bei Odysseus waren es 10 Jahre!

  3. 3 und zum Protzen dasselbe nochmal (auswendig) 22. Februar 2010 um 14:16 Uhr

    Andra moi ennepe Mousa, polytropon hos mala polla
    plangchtae epei Troiaes hieron ptoliethron eperse.

    Altsprachliche Gymnasien zahlen sich eben doch aus ;)

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