Das Bologna System ist gescheitert.

Ich besuche hier in Luzern, seit Montag nun im zweiten Semester, eine Universität, die schon seit längerem das Bologna System eingeführt hat. Die Studenten machen also ihren Bachelor und sammeln auch im Master noch kräftig Punkte. Wie viele Punkte es für eine Studienleistung gibt, hängt mit der erbrachten Leistung zusammen. Für eine unbenotete Prüfung gibt es 3, für eine benotete 4 CP (Credit Points). Für eine Seminararbeit ebenso 4 und für andere Formen von Leistungen eben andere, ganz abhängig davon, wie viel Zeit der durchschnittliche Student in eine solche Leistung investiert. Sollte man meinen. Innerhalb einer Fakultät herrscht hier durchaus Konsistenz. Nur darüberhinaus scheint es immense Unterschiede im Arbeitsaufwand der Studenten zu geben. Oder eben im Durchschnittsstudenten. Das Beispiel auf das ich mich beziehen will, ist mein Seminar im Fach Judaistik über den Staat Israel. Judaistik gehört in Luzern nicht nur der Theologischen Fakultät an, sondern auch der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen. Es sitzen also Studenten beider Fakultäten in einer Veranstaltung, für beide gelten aber unterschiedliche Regelungen. Für die Theologie ist es noch recht einleuchtend: Eine aktive Teilnahme ohne schriftliche Leistung gibt 2 CP, für aktive Teilnahme und ein Referat 3 CP und für aktive Teilnahme + Referat + Hausarbeit 4 CP. So weit, so logisch, denn schließlich wächst der Zeitaufwand mit jeder zusätlichen Leistung. Für die Studenten der anderen Fakultät hingegen ergibt die aktive Teilnahme mit einem Referat (oder alternativem Essay) 4 CP, wer noch eine Hausarbeit schreibt bekommt weitere 4, also 8 CP. Die gleiche Leistung bringt also je nach Fakultät die doppelte CP-Menge. Das ist beeindruckend und zeigt, dass das Berechnungssystem wohl nicht ganz funktioniert. Oder aber, und das ist die viel sympathischere Interpretation, dass Theologen im Durchschnitt viel schneller so viel Leistung erbringen können.


4 Antworten auf „Das Bologna System ist gescheitert.“


  1. 1 Lotta 05. März 2010 um 14:16 Uhr

    Gegen deine Interpretation am Schluß hätt ich als Vertreterin der Kulturwissenschaften was einzuwenden! ;)

  2. 2 OL 05. März 2010 um 15:58 Uhr

    und wieso soll die bologna-reform nun gescheitert sein?
    die unterschiedliche berechnung von cp unterstreicht doch nur das es eben unterschiedliche ansprüche an studierende in unterschiedlichen studiengängen gibt. dazu muss man sich nun nicht wirklich die cp-vergabe ansehen.

  3. 3 Administrator 05. März 2010 um 16:11 Uhr

    Soweit ich weiß, sind die CP ein äquivalent zum Zeitaufwand und deswegen auch so stur pro Studienphase berechnet (Bachelor 180, Master 120). Der Unterschied kann sich also nur darauf beziehen, dass man einer Gruppe mehr Zeitaufwand unterstellt.

  4. 4 OL 05. März 2010 um 16:17 Uhr

    tja. vielleicht kann man daraus aber auch einfach nur folgern, dass unterschiedliche berufe unterschiedlich viel zeit beanspruchen bzw zu beanspruchen haben, wenn sie ihre arbeitsleistungen gegeneinander in eine relation setzen sollen oder wollen. studium ist ja auch nich halligalli, sondern die zurichtung für den arbeitsmarkt

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