Ausflug in die Region

Die Uni bescherte mir für heute und morgen netterweise zwei vorlesungsfreie Tage, sodass ich mal wieder einen Ausflug unternehmen konnte. Dabei kam mir entgegen, dass das Wetter recht frühlingshaft war, also den ganzen Tag die Sonne bei ca. 15°C schien. Mein Ziel lag daher auch im Freien: der Bürgenstock, ein kleiner Berg südlich von Luzern, direkt am Vierwaldstättersee. Die steile Nordwand fällt fast senkrecht 1000 Höhenmeter und bietet so, wenn man einmal oben ist, einen sehr guten Blick auf den See und die Stadt Luzern.
Am frühen Morgen fuhr ich mit dem Zug nach Stansstad, dem Beginn meiner kleinen Etappe, von wo aus der gut beschilderte Wanderweg mich erst ein wenig am See entlang und dann direkt an der steilen Seite hinauf führte. Je höher ich dabei kam, desto mehr Schnee lag auf dem Waldweg, zusammen mit dem alten Laub gab das eine recht schöne Oberfläche zum Rutschen. Nur doof, dass ich aufwärts wollte :)
Außer mir war niemand sonst im Wald unterwegs, die Bergbahnen und Schiffsverbindungen sind bis 2. April noch nicht in Betrieb und sicher trug auch der Werktag zu der sehr stillen Wanderung bei. Durch die Steilheit des Berges, ging es in deutlichen Schritten immer höher, bis ich schließlich nach ca. 2 Stunden in Bürgenstock war. Dieses kleine „Resort“, wie es sich selbst nennt, ist eine Ansammlung von Luxushotels der 5-Sterne Klasse mit Restaurants und Golfclub. Schon Charlie Chaplin und Konrad Adenauer sollen hier Urlaub gemacht haben. Schon seit den 1870ern ist hier reger Betrieb. Nur zum Glück am heutigen Tag nicht.
Dieser Teil meiner Tour war aber nur eine Zwischenstation, denn viel spektakulärer als Hotels ist die Hammetschwand, die eigentliche Steilwand, die man vom See und von der Stadt Luzern aus sehen kann. Zu ihr gibt es zwei Wege, einmal den klassischen Wanderweg, den ich gegangen bin, dann aber auch den romantischen Felsenweg, der aber, wie so alles, um diese Jahreszeit gesperrt war. Er wurde extra für die reichen Gäste um 1900 in den Felsen gehauen, damit sie eine gemütliche Strecke hatten, um die Aussicht zu genießen. Höhepunkt dieses Weges ist der Hammetschwandlift. Er ist der höchste Freiluftaufzug Europas und verbindet das Ende des Felsenweges mit dem Aussichtspunk auf 1132 Metern. Wie gehabt aber nur ab dem 2. April. Wer Google-Earth besitzt kann sich diese ausgefallene Idee auch in 3D anschauen. Andere verweise ich auf meine Fotos bei Flickr.
Aus genannten Gründen erreichte ich die „Bergstation“ des Lifts zu Fuß und genoss eine entspannte Mittagspause in der Sonne, nachdem der einzige Wanderer, der mir an diesem Tag begegnet ist, gegangen war. Ganz ruhig blieb es nicht, denn ein Hubschrauber, der Arbeiten am Berg machte, landete auf einmal 10 Meter vor mir, ließ seinen Copiloten aussteigen und verschwand erst einmal. Ich war ein wenig verdutzt und konnte mir nicht erklären, wofür das gut war, denn rundherum war nichts, was man hätte bearbeiten können. Nachdem der Hubschrauber den Copiloten nach der nächsten Runde wieder eingesammelt hatte, war mir aber klar, worum es ging: Natürliche Bedürfnisse.
Der Abstieg ging relativ flott, wenn ich auch den ursprünglichen Weg nicht finden konnte (Markierungen sind nicht reversibel). Durch den Restschnee ging es sogar ein wenig schneller als geplant. Dabei stieß ich, eher unabsichtlich auf den Felsenweg, ohne auch nur einen Hinweis auf die Sperrung zu sehen. Der Zustand des Weges ließ mich aber von Versuchen zurückschrecken, ihn bis zum Schluss zu gehen.
Unten heil angekommen, fuhr ich wieder mit dem Zug nach Hause und musste zum ersten Mal seit 5 Stunden wieder meine Jacke anziehen. Ein gelungener Ausflug.