Ein Wochenende

Von zwei Erlebnissen des Wochenende möchte ich berichten:
Am Freitag Abend besuchten wir das Luzerner Theater. Es ist das kleinste Theater der Schweiz (und wahrscheinlich das mit dem geringsten Sitzabstand) und unterhält einen Betrieb in den drei Sparten, daher ist es bei der Bevölkerung nicht ganz unumstritten.
Ich schaute mir die Oper „Le Nozze di Figaro“ an. Die Inszenierung arbeitete vor allem die Schlüpfrigkeit des Stückes heraus, eine amüsanter Höhepunkt waren sicher die phallischen Handpuppen, die den Konflikt am Ende des zweiten Aktes spielten und wahrscheinlich der Grund dafür waren, dass die Altersempfehlung für das Stück 16 betrug. Genauso überraschend kam auch die E-Gitarre, die Figaro zückte um sie für den Grafen zu spielen.
Wie ich in der Pause lesen konnte, hatte das Stück noch eine überraschende Premiere: Die „Susanna“ lag mit Magen-Darm-Grippe im Bett, ein Ersatz war nur schwer zu finden, schließlich reisten eine Sängerin für die Rezitative und eine für die Arien an. Damit war die Rolle aber noch nicht auf die Bühne gebracht. Das übernahm der Regisseur höchstselbst. Er schlüpfte in das Kleid der Susanna und spielte ihre Rolle bis zum Schluss. Ich vermute, dass nahm der Oper einen nicht geringen Teil der Erotik.
Am Samstag unternahmen wir einen Ausflug ins Tessin, den italienischen Teil der Schweiz. Das Wetter war italienisch warum und wohlgesonnen und konnte die frühe Abfahrt (6 Uhr) wettmachen. Die erste Station war Bellinzona. Die Stadt ist bekannt für ihr mittelalterliches Stadtbild und vor allem für ihre drei Burgen, die zum Unesco Weltkulturerbe zählen. Davon besuchten wir zwei, darüber hinaus noch die Altstadt und einen netten kleinen Park, der frühlingshaft von Blüten und Blumen nur so strotze. Direkt daneben lag eine Kirche aus dem 12. Jahrhundert, die mit zu den schönsten zählte, die ich hier in der Schweiz gesehen habe, vor allem, weil große Teile das Wandbemalung sehr ursprünglich aussahen.
Die zweite Station war Locarno am Lago Maggiore, oder Langensee, wie es im Deutschen heißt. Die Stadt selbst präsentierte sich nicht so schön, dafür war der See sehenswert und lud zu einem ausführlichen Spaziergang ein.
Die Fahrt mit dem Zug sei nicht unerwähnt, die Strecke führt durch den Gotthard und vorher durch wunderschöne Alpentäler, durch die sich Autobahn und Zugstrecke wie mit einem Pinsel geschwungen ziehen. Allein das ist ein Erlebnis.