Archiv für Mai 2010

Dekodiert

Schon seit 9 Monaten laufe ich nun Tag für Tag an der Hochschule für Soziale Arbeit vorbei und wundere mich über die eigentümliche Gestaltung der Fassade. Dass hellblaue Gebäude ist U-förmig angelegt, ringsherum sind an den Fenstern leuchtend-orange Lamellen unterschiedlicher Größe angebracht. Dabei ergeben sie kein erkennbares Muster und scheinen auch nichts, quasi strichmalerisch, darzustellen.
Nun ist es mir endlich gelungen dem Rätsel auf die Schliche zu kommen, hilfreich war dabei eine kleine Metalltafel in der Nähe, die den Titel dieser Installation (denn es ist eine Form von Gebäudekunst) verriet: Lumen Lux Illumination.
Kodiert ist das ganze in Form von Morsezeichen, man liest jedes Zeichen von oben nach unten, das Wort dann von links nach rechts. So sind, je nach Platzangebot, die drei Wort „Lumen, Lux, Illumination“ wiederholt über die Fassade verteilt. Welche Befriedigung es ist, jetzt daran vorbeilaufen zu können und gleichzeitig zu lesen.

HSLU Soziale Arbeit

Späte Entdeckung

Bevor Lena M.-L. gestern den Sieg im Eurovision Song Contest einfahren konnte, machte ich noch eine Entdeckung in Luzern, die ich hätte früher machen sollen. Am Rande der Altstadt befindet sich die Jazzkantine, eine Kneipe (oder Beiz auf Schweizerdeutsch), die im Erdgeschoss recht unscheinbar wirkt, im Keller aber einen kleinen Konzertraum beherbergt. Dort organisiert die Hochschule für Musik Luzern Abteilung Jazz regelmäßig Konzerte mit ihren Studenten. Der Eintritt ist dabei frei, Spenden sind erbeten.
Zur Zeit finden dort die Masterabschlusskonzerte statt, quasi die letzten praktischen Prüfungen der Studenten. Daher saß beim gestrigen Konzert auch mitten im Raum eine fünfköpfige Jury, die den Auftritt bewertete. Pro Konzert legt je ein Student seine Prüfung ab, gestern war es ein Bassist. Damit das ganze nicht so langweilig klingt, steht drumherum eine Band, im gestrigen Fall noch Drums, Synthesizer, Gittare und Sängerin (wahlweise Querflöte).
Der Stil dieser Band war nicht ganz so jazzig, wie ich erwartet hatte, viele Stücke erinnerten mich an Muse oder sogar Dream Theater. Trotzdem war die Qualität hoch und die Stimmung gut. Schade eigentlich, dass ich das erst jetzt gefunden habe.

Tatort Luzern

Nachdem Luzern lange Zeit nur Plattform für Künstler war, wird es jetzt sogar Bühne, denn das Schweizer Fernsehn dreht hier einen Tatort. Immer wieder stolpert man in letzter Zeit (nur sinnbildlich) über Kabelträger und Kameras. In dieser Nacht beispielsweise werden zwei Brücken und ein Teil der Innenstadt sporadisch gesperrt sein, um die Schlüsselszene zu drehen.
Zu Begründung der Wahl Luzerns als Drehort habe ich unterschiedliches gehört. Einige Stimmen machen die Schönheit der Stadt verantwortlich, andere die Tristesse der Vorstädte Emmen und Littau. Vermutlich wird im Endprodukt beides zu sehen sein.
Die Dreharbeiten laufen inzwischen seit April und sollen diesen Monat schon enden. Die Ausstrahlung unter dem Titel „Wunschdenken“ wird dann im Herbst stattfinden.
Ergänzt wurde die Besetzung des Films noch um Sofia Milos, die sonst in „CSI: Miami“ mitspielt.

Raumplanung Uni Luzern

Vor kurzem erschien der Jahresbericht 2009 der Uni Luzern. (Leider noch nicht online verfügbar). In diesem werden unter anderem die Studierendenstatistiken der letzten Jahre dargestellt. So entwickelte sich die Uni Luzern seit dem WS 04/05 (vor der Umstellung auf eine Herbst- und Frühjahrszyklus) von rund 1500 Studierenden zu rund 2400 Studierenden im Herbst 2009. Noch immer ist Luzern also eine kleine Universtität, man muss aber bedenken, dass sie auch erst seit dem Jahr 2000 besteht. Aus Kostengründen ist die Gesamtzahl der Studierenden künstlich auf 2600 begrenzt, eine sehr umstrittene Maßnahme, zeigt sich doch, dass diese Zahl sehr bald erreicht sein wird.
Vom Wachstum der Uni erzählt vor allem ihre Raumsituation. An allen möglichen und unmöglichen Standorten finden sich Büros und Veranstaltungsräume, der Höhepunkt ist hier der Hörsaal im Kino. Daher hat man schon früh geplant, endlich ein eigenes Universitätsgebäude zu errichten, dass alle Fakultäten, Büros und Fachbibliotheken unter einem Dach vereinen soll. Dazu soll ein Teil des Gebäudes der Pädagogischen Hochschule zugeschlagen werden. Schon der Anblick dieses Neubaus, der 2011 fertig werden soll, ließ mich am Anfang meines Aufenthaltes skeptisch bleiben, ob dieses Konzept aufgeht. Im aktuellen Jahresbericht fand meine Skepsis ihre Bestätigung, denn der Raumbedarf wurde im Jahr 2004 ermittelt. Seither sind aber, wie oben gezeigt, die Zahlen deutlich gestiegen, und zwar nicht nur bei den Studierenden, sondern auch neue Institute und Lehrstühle kamen hinzu.
So ist das gut gemeinte Vorhaben an der Zeit gescheitert. An der Raumsituation wird sich meiner Einschätzung nach nicht viel ändern. Einzelne Standorte können sicher wegfallen, aber weiterhin muss die Universtität über die Stadt verteilt existieren. Ich vermute hinter dieser Problemlage ein weiterhin defizitäres Verständnis der Luzerner Bevölkerung für die Vorteile einer starken Universität. Es war schon ein Wunder als im zweiten Anlauf das Stimmvolk 2000 Ja zur Universität sagte. Die notwendigen Pflichten aus dieser Zusage sind wohl nicht hinreichend wahrgenommen worden. Nicht zuletzt spricht die Deckelung der Studierendenzahlen Bände.

Buchempfehlung

Die letzte Woche habe ich in Taizé verbracht und dabei endlich einmal wieder Zeit gefunden ein Buch zu lesen, das nicht mit der Uni zu tun hat. In diesem Fall war es „Die Frau mit dem roten Tuch“ von Jostein Gaarder (der u.a. Sophies Welt geschrieben hat). Wieder einmal merkt man dem Autor an, dass er ein großes Interesse an der Philosophie hat. Zugleich kann er aber sehr subtil romantisch schreiben, sodass man sagen kann, dass es hier um eine Liebesgeschichte zweier denkender Menschen geht.
Das ganze Buch besteht nur aus E-Mails, die sich die beiden Protagonisten geschrieben haben. Anlass ist ihr zufälliges Wiedersehen an einem schicksalsträchtigen Ort, 30 Jahre nach dem ihre Beziehung zerbrochen ist. Immer noch sind beide eng verbunden in ihrer Gedankenwelt, immernoch trennt sie dabei die Frage, ob es übersinnliche Phänomene gibt, oder ob alles was passiert reiner Zufall ist.
Die Ausführungen der beiden sind hierbei ziemlich assoziativ, die getroffenen philosophischen Aussagen so individuell, dass man kaum sagen kann, ob sie wahr oder falsch sind. Das Ende des Buches bleibt verstörend, sodass für mich die Frage bleibt, ob man überhaupt irgendetwas eine objektive Bedeutung zuschreiben kann. Oder ob nicht alle Verknüpfungen zwischen den Dingen und unserer Interpretation nicht so partikular bleiben, dass wir letztlich selbst die Grundfrage des Buches entscheiden.
„Die Frau mit dem roten Tuch“ ist ein Buch, dass zum Nachdenken anregt und keine Lösung anbietet. Ich kann die Lektüre nur empfehlen.