Archiv für Mai 2010

Mistwetter

Dieser Mai ist eine Enttäuschung. Nach einem sehr hoffnungsvollem Spätapril hat Luzern seit dem 1. Mai in 7 Tagen genau 7 Minuten Sonne gesehen. Ab Morgen soll es wieder geringfügig besser werden.
Wie ich gehört habe, soll es in Deutschland aber nicht besser sein.

Kunst und Kultur in Luzern

In der vergangenen Woche habe ich mich mit zwei Formen der Kunst auseinandergesetzt, die in gewisser Weise typisch für Luzern sind. Die erste Form war der Film „Kadosh“, den der Filmkreis der Universität im Rahmen des Semestermottos „Religionen“ vorführte. Typisch für Luzern ist dieser Film insofern, als dass es an der hiesigen Uni ein eigenes Institut für jüdisch-christliche Forschung gibt. Daher führte auch der Assistent des Institutes in diesen sehr ernsten Film ein. Das Thema war das ultraorthodoxe-jüdisch Milieu im Jerusalem der 90er. Die beiden Protagonistinnen geraten auf je eigene Weise in Konflikt mit den Vorschriften ihres Bekenntnisses. Die erste ist seit zehn Jahren glücklich verheiratet, hat bisher aber noch kein Kind bekommen. Letztlich zwingt der Rabbiner ihren Mann zur Scheidung, damit er mit einer neuen Frau seinem Fruchtbarkeitsauftrag nachkommen kann. Die andere Frau will partout nicht in ihrem Milieu heiraten, weil sie in einen anderen Juden verliebt ist. Sie wird trotzdem zur Ehe gezwungen. Die erste Frau stirbt nach langer Isolation in den Armen ihres Mannes, die zweite flieht und lässt ihre Herkunft hinter sich. Der Film war in Israel nicht unumstritten, gerade die Ultraorthodoxen Juden wehrten sich gegen die Darstellung von Rigorosität. Was der Film trotz allem aber zeigt, ist die Tiefe Gespaltenheit der verschiedenen jüdischen Gruppierungen und die Isolation strenger religiöser Kreise. Die zweite Kulturform war deutlich weniger bedrückend. Seit wenigen Jahren besteht in Luzern die Sammlung Rosengart als öffentlich zugängliche Kunstsammlung von Vater und Tocher Rosengart. Ihren Ursprung fand die Sammlung beim Kunsthändler Rosengart, der Anfang des 20. Jahrhunderts eine Filiale in Luzern eröffnete. Er behielt von den eingekauften Werken immer wieder ein paar für sich selbst, sodass er, zusammen mit seiner heute noch lebenden Tocher, die das Geschäft übernahm, eine unsystematische, aber doch umfangreiche Sammlung verschiedener moderner Klassiker zusammen getragen hat. Den kleineren Teil der Sammlung nehmen Werke von Impressionisten, Monet und Chagall ein. Die Schwerpunkte der Sammlung liegen aber auf Klee, dem ein ganzes Stockwerk gewidmet ist und an erster Stelle Picasso. Mit Picasso pflegte die Familie Rosengart eine enge Freundschaft, allein Tochter Rosenkranz wurde von Picasso fünf mal porträtiert. Einen kleinen Höhepunkt bildet hier eine Reihe von Fotografien, die einzigen, die Picasso während seiner Arbeit und in seinem Alltag zugelassen hat. Wieder einmal hat sich für mich gezeigt, dass Luzern, obwohl so übersichtlich ist, einen großen Reichtum an kulturellen Angeboten aus allen Sparten zu bieten hat.