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Internet und Behörden

Ihr könnt hoffentlich ahnen, wie sehr ich mich freute, als ich es sicher hatte: Internet. Seitdem fühle ich mich wieder wie ein ganzer Mensch und kann endlich die Programm nutzen, die ich will, meinen PC mit Updates versorgen und vor allem: Kontakt aufnehmen. Hier im Wohnheim ist es damit im Moment (hoffentlich) noch ziemlich mau, durch die Sprache fühlt man sich nicht allzu heimisch und Kommunikation aus dem Nichts war noch nie meine Stärke. Ich hoffe, das wird auch durch Uni anders werden.
Nachdem ich dann endlich voll im WWW versinken konnte, wurde ich schon brutal aus meinem Zimmer geworfen: die Putzfrau kam. Es mag zwar nach Luxus klingen, wenn das eigene Zimmer jede Woche geputzt wird, aber es ist nicht gerade angenehm zu wissen, dass das eigene Zimmer einem nicht gehört. Hals über Kopf musste ich selbiges dann auch verlassen und war gerade noch fähig genug ein paar Sachen mitzunehmen. Leider nicht genug, wie ich dann feststellen musste. Meine Pläne für heute Vormittag umfassten nämlich drei Punkte: Anmelden bei der Stadt, Eröffnung eines Kontos und Anmelden bei der Universität.
Zum Anmelden auf der Stadt brauchte ich zuerst einmal Passfotos. Um die machen zu lassen, brauchte ich Geld. Das war das erste, was ich vergessen hatte. Also musste ich zuerst einen Geldautomaten aufsuchen. Das gezogene Geld war nach den Fotos auch fast wieder weg: 35 CHF (21€) für vier Passfotos. Als ich die dann bei mir und den schock überwunden hatte, wollte ich auf die Stadt. Aber ich hatte weder eine Adresse noch die nötige Immatrikulationsbescheinigung oder den Krankversicherungsnachweis. Also musste ich wieder zum Wohnheim (das sind übrigens jedes mal 1,5 km zu Fuß!) und dort warten bis mein Zimmer frei wurde. Der Rest lief dann recht flüssig und ich erhalte in 2 Wochen einen Ausweis dafür, dass ich hier nicht wirklich wohne, aber trotzdem bleiben darf.
Nach diesem Erfolg ging es an die Kontoeröffnung, die schlicht wegen Personalmangels scheiterte. Ich solle am Nachmittag wieder kommen (3*1,5 km…). Und auf der Uni war die einzige zuständige Dame nicht anwesend. Also war der Gang für die Füße und ich musste am Nachmittag wieder hin. Das hat dann immerhin geklappt.
Die Sprache ist weiterhin eine kleine Barriere. Heute im Fotoladen war die nette Angestellte zwar gut aussehen, aber nur schwer verständlich. Und im Gegensatz zum Verkäufer im Elektromarkt konnte sie nicht auf Hochdeutsch wechseln. Bei letzterem habe ich mich zum ersten Mal getraut zuzugeben, dass ich seine Aussage nicht verstanden hatte. Nun besitze ich auch einen Wasserkocher.

Die versprochenen Fotos folgen.

Anfang und Ankunft

Hallo liebe Leser,

ich bin da! Seit gestern Abend weile ich in meiner vorübergehenden Bleibe Luzern. Noch befinde ich mich mitten im Ankommen. Mein Zimmer ist schon bezogen, ich habe schon Verpflegung besorgt und sogar einen Schlüssel fürs Haus. Aber ach! ich habe noch kein Internet. Wie ich dabei trotzdem schreiben kann? Nun, ich sitzte vor dem Bahnhof auf einer der zahlreichen Bänke und nutze das Angebot der Stadt Luzern, die ihre komplette Innenstadt mit einem gesponsorten WLAN versorgt. Das hält mich über Wasser, bis ich mein eigenes nutzen kann. Allerdings sind die 10 Minuten Fußweg ins Netz doch ein wenig weit.
Auch wenn ich mich noch nicht ganz heimisch fühle, scheine ich es doch zu sein, denn gerade eben fragte mich ein Tourist nach dem Weg in die Innenstadt. Selbstverständlich konnte ich ihm kompetent weiterhelfen.
Mein Zimmer im Wohnheim hat stolze 13 qm plus 3 qm Balkon. Das Bad befindet sich schräg gegenüber auf dem Gang. Aber immerhin ist es mein eigenes. Innen geht es ein wenig eng zu, aber ich habe genausoviel Möbel wie alle anderen. Nur halt weniger Platz dazwischen. Ich musste aber kaum wieder etwas mit nach Hause geben.
Das Wohnheim selbst ist noch recht leer, weil wohl an der Berufsschule und eben auch an der Uni noch Ferien sind. Aber meinen Nachbarn habe ich schon kennengelernt und mich sogar nett mit ihm unterhalten. Und weil Ferien sind, um damit wieder zum Anfang zurückzukommen, habe ich auch noch kein Internet. Aus irgendeinem Grund wird das nämlich von den Bewohnern verwaltet und der entsprechende Bewohner ist wohl bis zum 14. September im Urlaub. Ich hoffe, da lässt sich eine andere Lösung finden, was soll ich den z.B. bei Regen surfen? Vielleicht kaufe ich mir doch ein Zelt.
Ich habe auch schon viele Bilder gemacht, denn heute ist, nachdem es gestern in Strömen regnete, ein sonniger Tag. Die werde ich dann hochladen, sobald ich konstant mit Internet versorgt bin.
Damit mir nicht langweilig wird, habe ich mir schon einmal Flyer im Touristenbüro zusammengesucht. Das kulturelle Angebot ist wirklich einzigartig. Man kann quasi jeden Abend ein Konzert hören, ins Theater gehen oder in einer Jazzkneipe Livemusik begießen. Ein bisschen schlägt sich das auf das Gottesdienstangebot nieder. Sonntags ist in der einen Kirche um 7, 10, 15, 17 und 20 Uhr Gottesdienst, darunter eine Orgelmesse und eine in englischer Sprache, in der anderen Kirche „nur“ dreimal, dafür einmal davon jeden Sonntag auf Latein. Ob das geistlich gesehen sinnvoll ist… Ich werde das ein oder andere sicher mal ausprobieren.

Für den Moment muss das reichen, ich werde jetzt wieder heimlaufen und mich dann meinem sauteuren Abendessen zuwenden (Einkaufen ist hier nicht billig). Döner habe ich übrigens ab 9 CHF (ca. 6 €) gesehen. Will noch jemand Diät machen? Herzliche Einladung.

Einen wunderschönen Abend

Euer

Ben

Umzug etc.

Ich habe inzwischen einen Einzugstermin in Luzern, nämlich den 4. September.
Ab dann lautet meine neue Adresse:
Alpenquai 42
6005 Luzern
Schweiz
Die Uni beginnt mit den Einführungstagen am 9. September, wobei ich die nur teilweise besuchen werden, sie richten sich nämlich vor allem an Erstsemester. Die Vorlesungszeit beginnt mit dem 14. September, dann bin ich bis kurz vor Weihnachten am Studieren.

Vorlesungsverzeichnis

Durch einen zufälligen Einfall bin ich heute auf die Seite der Universität Luzern gesurft und habe bemerkt, dass das Vorlesungsverzeichnnis für das Herbstsemester 2009 online steht. Darauf habe ich die letzten Wochen vermehrt gewartet, denn so langsam sollte ich hier in Mainz einmal planen, welche Prüfungen ich machen werde. Und eben dies mit den betroffenen Professoren absprechen.
Das Verzeichnis ist leider eine kleine Katastrophe und durchkreuzt meine Pläne. Viele der Themen die gelesen werden, habe ich in diesem Semester schon gehört (Eherecht, Christologie), Altes Testament wird wegen eines Forschungssemesters nicht gelesesn und im Neuen Testament paart sich das Unwohl: Johanneische Schriften habe ich auch schon gehört (wenn auch nicht zugehört) und auf Genderstudies am Johannesevangelium habe ich spontan keine Lust.
Es gibt aber auch Lichtblicke. In der Judaistik wird so einiges angeboten und die Verbindung der Fakultät mit der Kirchenmusik ist sicherlich nicht uninteressant, zumal es eine Veranstaltung zur Gregorianik gibt.

Nähe

Heute ist es mir zum ersten Mal bewusst geworden, wie nah, der bevorstehende Aufenthalt ist.
Bei meiner Dauer-Orgel-Vertretung in Darmstadt Eberstadt habe ich heute schon die letzten Termine vor Luzern ausgemacht und auch bei der Bahnhofsmission wird es langsam eng werden. Zumal ich da noch kaum jemanden Bescheid gegeben habe.
Im Prinzip steht mir noch der ganze Juli und der ganze August bevor. Dahinein fallen aber noch Semester und zwei Wochen Urlaub. Von Hausarbeiten etc noch ganz zu schweigen.
Beruhigendermaßen kann ich zu allen sagen, die mich jetzt schon vermissen: In einem Jahr bin ich schon wieder da. Aber ich hoffe, man sieht sich vorher.