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Buchempfehlung

Die letzte Woche habe ich in Taizé verbracht und dabei endlich einmal wieder Zeit gefunden ein Buch zu lesen, das nicht mit der Uni zu tun hat. In diesem Fall war es „Die Frau mit dem roten Tuch“ von Jostein Gaarder (der u.a. Sophies Welt geschrieben hat). Wieder einmal merkt man dem Autor an, dass er ein großes Interesse an der Philosophie hat. Zugleich kann er aber sehr subtil romantisch schreiben, sodass man sagen kann, dass es hier um eine Liebesgeschichte zweier denkender Menschen geht.
Das ganze Buch besteht nur aus E-Mails, die sich die beiden Protagonisten geschrieben haben. Anlass ist ihr zufälliges Wiedersehen an einem schicksalsträchtigen Ort, 30 Jahre nach dem ihre Beziehung zerbrochen ist. Immer noch sind beide eng verbunden in ihrer Gedankenwelt, immernoch trennt sie dabei die Frage, ob es übersinnliche Phänomene gibt, oder ob alles was passiert reiner Zufall ist.
Die Ausführungen der beiden sind hierbei ziemlich assoziativ, die getroffenen philosophischen Aussagen so individuell, dass man kaum sagen kann, ob sie wahr oder falsch sind. Das Ende des Buches bleibt verstörend, sodass für mich die Frage bleibt, ob man überhaupt irgendetwas eine objektive Bedeutung zuschreiben kann. Oder ob nicht alle Verknüpfungen zwischen den Dingen und unserer Interpretation nicht so partikular bleiben, dass wir letztlich selbst die Grundfrage des Buches entscheiden.
„Die Frau mit dem roten Tuch“ ist ein Buch, dass zum Nachdenken anregt und keine Lösung anbietet. Ich kann die Lektüre nur empfehlen.

Mistwetter

Dieser Mai ist eine Enttäuschung. Nach einem sehr hoffnungsvollem Spätapril hat Luzern seit dem 1. Mai in 7 Tagen genau 7 Minuten Sonne gesehen. Ab Morgen soll es wieder geringfügig besser werden.
Wie ich gehört habe, soll es in Deutschland aber nicht besser sein.

Kunst und Kultur in Luzern

In der vergangenen Woche habe ich mich mit zwei Formen der Kunst auseinandergesetzt, die in gewisser Weise typisch für Luzern sind. Die erste Form war der Film „Kadosh“, den der Filmkreis der Universität im Rahmen des Semestermottos „Religionen“ vorführte. Typisch für Luzern ist dieser Film insofern, als dass es an der hiesigen Uni ein eigenes Institut für jüdisch-christliche Forschung gibt. Daher führte auch der Assistent des Institutes in diesen sehr ernsten Film ein. Das Thema war das ultraorthodoxe-jüdisch Milieu im Jerusalem der 90er. Die beiden Protagonistinnen geraten auf je eigene Weise in Konflikt mit den Vorschriften ihres Bekenntnisses. Die erste ist seit zehn Jahren glücklich verheiratet, hat bisher aber noch kein Kind bekommen. Letztlich zwingt der Rabbiner ihren Mann zur Scheidung, damit er mit einer neuen Frau seinem Fruchtbarkeitsauftrag nachkommen kann. Die andere Frau will partout nicht in ihrem Milieu heiraten, weil sie in einen anderen Juden verliebt ist. Sie wird trotzdem zur Ehe gezwungen. Die erste Frau stirbt nach langer Isolation in den Armen ihres Mannes, die zweite flieht und lässt ihre Herkunft hinter sich. Der Film war in Israel nicht unumstritten, gerade die Ultraorthodoxen Juden wehrten sich gegen die Darstellung von Rigorosität. Was der Film trotz allem aber zeigt, ist die Tiefe Gespaltenheit der verschiedenen jüdischen Gruppierungen und die Isolation strenger religiöser Kreise. Die zweite Kulturform war deutlich weniger bedrückend. Seit wenigen Jahren besteht in Luzern die Sammlung Rosengart als öffentlich zugängliche Kunstsammlung von Vater und Tocher Rosengart. Ihren Ursprung fand die Sammlung beim Kunsthändler Rosengart, der Anfang des 20. Jahrhunderts eine Filiale in Luzern eröffnete. Er behielt von den eingekauften Werken immer wieder ein paar für sich selbst, sodass er, zusammen mit seiner heute noch lebenden Tocher, die das Geschäft übernahm, eine unsystematische, aber doch umfangreiche Sammlung verschiedener moderner Klassiker zusammen getragen hat. Den kleineren Teil der Sammlung nehmen Werke von Impressionisten, Monet und Chagall ein. Die Schwerpunkte der Sammlung liegen aber auf Klee, dem ein ganzes Stockwerk gewidmet ist und an erster Stelle Picasso. Mit Picasso pflegte die Familie Rosengart eine enge Freundschaft, allein Tochter Rosenkranz wurde von Picasso fünf mal porträtiert. Einen kleinen Höhepunkt bildet hier eine Reihe von Fotografien, die einzigen, die Picasso während seiner Arbeit und in seinem Alltag zugelassen hat. Wieder einmal hat sich für mich gezeigt, dass Luzern, obwohl so übersichtlich ist, einen großen Reichtum an kulturellen Angeboten aus allen Sparten zu bieten hat.

Bergfrühling

Im übrigen hat es dann doch nicht geregnet, weswegen ich den Berg vollständig hinuntergelaufen bin, um dann von Weggis aus mit dem Schiff zu fahren.

Rauchfreie Schweiz

Ab dem 1. Mai gilt in der ganzen Schweiz ein Rauchverbot in öffentlichen Räumen. Ausnahmen gelten nur in Gastätten unter 80qm und in getrennten „Fumoirs“, in denen aber auch bedient werden darf. Die Kantone dürfen, und wir wären nicht in der Schweiz, wenn es nicht so wäre, eigene Gesetze erlassen, die die Vorschriften verschärfen. Eine Milderung ist nicht vorgesehen. Viele Kantone haben das bereits seit längerem getan, der Kanton Luzern hingegen wartete auf die Bundesregelung, sodass bis Freitag in jeder Lokalität der Stadt geraucht werden darf. Interessanterweise finden sich die strengsten Verbote im romanischen Sprachgebiet, nämlich der Westschweiz und dem Tessin. Gerade im italiensichen Tessin wird die Regelung rigoros umgesetzt, sicher auch, weil man aus Italien selbst nichts anderes gewohnt ist. Ähnliches gilt für die Romandie. Und wie in Deutschland ist der Widerstand gegen die neue Regelung groß, man fürchtet Einbußen und will mehr Ausnahmen. Das Beispiel Tessin hat aber gezeigt, dass dem nicht der Fall sein muss, wenn man konsequent genug Regeln durchsetzt. In vielen Kantonen sind auch jetzt schon die „Fumoirs“ nur unbewirtet gestattet. Der große Vorteil dieser Regelung ist meiner Meinung nach, dass es einen einheitlichen Mindeststandart gibt, sodass man in allen größeren öffentlichen Räumen in der ganzen Schweiz mit Rauchfreiheit rechnen kann. In Deutschland wäre ich mir diesbezüglich nicht so sicher.